Ein paar Gedanken zu »Fight Club« (David Fincher) – Spoiler!

Hin und wieder stoße ich tatsächlich beim herumstreifen durch die (virtuelle) Welt unverhofft auf ein Stück Geistesheimat. Dann steht da zu meiner Freude sowas wie „dass das eigentliche Thema von Fight Club nicht widerständische Gewaltbereitschaft ist, sondern die Tatsache, dass man leiden muss, um zu Bewusstheit und Freiheit zu gelangen“ – der Weg des Protagonisten ist, wie der vieler Märchenhelden, kein Wochenendurlaub; die Vereinigung mit der Prinzessin (Marla), sprich die innere Ganzheit, hat seinen Preis. Aber ich fang‘ ein bisschen früher an.

Da sitzt er – ob er nun Cornelius, Rupert oder Jack heißt – im Flugzeug auf seinen Geschäftsreisen und legt uns auf dramatische Weise eine scheinbar perverse Wunschphantasie offen: Er will zuweilen einen Flugzeugabsturz erleben. Man ahnt dahinter Sehnsucht nach Ausbruch aus der dumpfen Qual seiner inneren Leere, die wie immer allerlei Süchte und Lebenssurrogate hervorbringt, mit denen er hineinzupassen scheint in die ihn umgebende Welt von sinnloser Arbeit, Fernsehshows, Ikea-Nestbau und kornblumenblauer Krawatten. Seine psychische Symptomatik aber zeigt, dass er (noch) nicht tot genug ist, um sich dieser Art Leben – das von vielen Corneliussen, Ruperts und Jacks geführt wird – ganz zu ergeben. Gleichzeitig ist da ein Ohnmachtsgefühl, sich eigenmächtig aus seinem Zustand zu befreien, und dieser Konflikt schafft eine Verzweiflung, die in seiner Wunschphantasie vom Flugzeugunglück zum Ausdruck kommt. Man hat wohl zurecht das Gefühl, dass auf diesem Gipfel der Missstandsdarstellung Tyler endlich hervorgerufen wird.

Der Geist nun, den er rief, spricht die Misere aus, die ihm auf der Zunge liegt. Mit seinem Idealismus, seiner Authentizität und Freiheit ist er gleich eine überlegene Kontrastfigur. Als Figur der Innenwelt Jacks kommt er dem Jungschen „Selbst“ nahe; sein Erscheinen ist praktisch der Beginn eines schweren Befreiungs- und Individuationsweges, in den er ausgerechnet von den edelsten Strebungen seiner Psyche geworfen wird:

– Aufgrund seiner Betäubung fügt sich Jack trotz seiner Unzufriedenheit in die Normalität. Damit hängt unter anderem sein repressives Über-Ich zusammen, das typisch ist für die vielen »Nice Guys« unserer Zeit; drei Liter Bier können ihm nicht die Hemmung nehmen, Tyler um Unterkunft zu fragen. Eine aktive, angehende Lebenshaltung erfordert freieren Umgang mit der eigenen Aggressivität und Triebhaftigkeit. Indem Tyler dazu ermutigt, an Stelle des (falschen) Gewissens eine ursprünglichere Authentizität zu setzen, gibt Jack bisher ungelebte Schattenseiten frei („Tylers Worte kamen aus meinem Mund. Und ich war mal so ein netter Kerl“). Er lernt die Achtung verlieren vor Sitten und dem allgemeinen Treiben und Trachten.

– Stattdessen kehrt er zu seinen schuttgelegten höheren Ziele zurück und lernt seinem innerpsychischen Telos zu vertrauen („Er [Tyler] hatte einen Plan und der ergab langsam einen Sinn. Tylermäßig betrachtet“).

– Tyler vernichtet sein Ikea-Nest, seinen materiellen Besitz, an den Jack seine Identität geknüpft und in der er die innere Ganzheit gesucht hat. Dadurch kommt das innere Elend (Symbol des Dreckslochs, das er dann bewohnt) zum Vorschein; denn wenn wir unsere Anhaftungen aufgeben, wird der seelische Mangel offenbar, auf denen sie kompensatorisch aufgebaut sind. Ziel ist es, sich dem Mangel, dem Leiden zu stellen, statt uns in die Sklaverei zu fügen, ewig alle möglichen Abwehrmittel aufrechterhalten zu müssen. Es geht dabei um viel mehr als Konsumismus; ob wir uns klammern an Illusionen der eigenen Wichtigkeit, Sicherheit, zukünftigen Erfolgs, Kontrolle oder an Talent, Wissen, Geschmack, – das alles muss gelöst werden durch das verinnerlichen der Realität der Vergänglichkeit, der eigenen Sterblichkeit, der Unsicherheit und Leidhaftigkeit des Lebens („Ihr seid nichts Besonderes. Ihr seid keine wunderschönen, einzigartigen Schneeflocken. Ihr seid genauso verwesende Biomasse wie alles andere. Wir sind der singende, tanzende Abschaum der Welt“). Ziel ist der „Nullpunkt“.

– Deutlich sichtbar wird im Laufe dieses Weges-ins-Innere: Jack ist, wie viele Menschen, im Grunde traumatisiert. Er fühlt sich von seiner Familie, besonders von seinem Vater, alleingelassen und abgelehnt. Er hat die lieblose Familienathmosphäre seiner Kindheit genauso wenig „hinter sich gebracht“ wie seine schwarze Wut des im Stich gelassenen Kindes.

Wie Demian weist Tyler einen Weg, der über ihn hinausgeht; zuletzt muss sich Jack auch von ihm trennen, um endlich jenen Nullpunkt zu erreichen, an dem das Feld freigeräumt ist für das Wachstum des ursprünglich in ihm angelegten Selbst. Das letzte Bild des Filmes, in dessen Zentrum sich Marla und Jack anblicken, ist das Bild der verwirklichten Ganzheit und Freiheit. Jack ist frei, ein Liebender zu sein, die Frau zu lieben, in der er bisher wie in einem Spiegel sich selbst abgelehnt hat. Die unter Explosionen einstürzenden Bauten entsprechen einem Feuerwerk.

Die narrative Tiefenstruktur in Fight Club behandelt einen heroischen Werdegang, die Darstellungsweise ist humorvoll-distanziert, leider nicht frei von Elementen  kommerzieller Filme. Mir gefällt, wie eindringlich auf unsere Zeit eingegangen wird. Eine Zeit, die voller Kapitalismus- und Gesellschaftskritik ist; aber die paar Personen, die sich auf einer echten spirituellen Suche nach Freiheit und Bewusstheit befinden, sind damit nicht selten alleine. Das rebellierende Kollektiv, mit dem sich Tyler und Jack umgeben, bilden bald wieder ein eigenes Herrschaftssystem und Gruppenkonformismus. Die einzige Wandlung findet im Protagonisten statt, kann nur im Individuum stattfinden, in der Auseinandersetzung mit dem eigenen Unbewussten. Die Einsamkeit erschwert diesen Weg. Vielleicht kann sie irgendwann abgemildert werden, wenn man auf breiterer Ebene zu einem rechten Umgang mit dem eigenen Leid findet. – Fight Club könnte manchen dazu ermutigen.

Traumhemmungen.

Wer kennt es nicht? Kleine Hemmungen, im Alltag. Wobei, Alltag hat die Funktion, einen zu Hemmen. Zumindest empfinde ich es so. Ich habe gestern wieder einige kleine Hemmungen erlebt, die ich – obwohl ich mich immer wieder selbst dafür geistig trete – gewähren lasse. Ich entschied mich gestern mein Fahrrad, welches ich aus der Werkstatt abholte, mal ein wenig zu testen. Ein Besuch in der Werkstatt war nötig, das Licht vorne war nicht mehr funktionstüchtig, und der hintere Reifen weigerte sich, Luft aufzunehmen. Ehrlich gesagt sollte das Fahrrad nach zweihundert Kilometern einen Check durchgemacht haben. Unglücklicherweise wurden es achthundert Kilometer. Wie auch immer. Ich war bis gestern der Meinung, die Gegend zu kennen. Bis ich einen neuen Weg entdeckte. In einem Nachbardorf, von der „Hauptstraße“ abzweigend. Der Wind blies mir in den Rücken, sodass ich ohne Anstrengung eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 35 km/h halten konnte. Auch der asphaltierte Weg, der sich durch die Lande zog, war perfekt. Dörfer, Wälder, alte Scheuen. Es scheint alles so zu sein, wie es bei uns auch ist. Also, eigentlich vollkommen dasselbe. Wäre da nicht diese Unbekanntheit. Diese spontanen Entscheidungen, welcher Weg nun der beste sein wird. Am Anfang der Tour wechselte mein Ziel stetig, bis ich mich irgendwann auf die nächste Eisenbahnstrecke festsetzte, die eine „Grenze“ darstellte. Und auf eben dieser Tour, waren auch wieder diese Hemmungen da. Ein metallener Schornstein einer Biogasanlage, welcher glänzende Regenbogenfarben präsentierte. Eigentlich wollte ich ihn festhalten. Jedoch war auf diese Weg eine Spaziergängergruppe, die sich dem Ort näherte. Und schon fuhr ich einfach daran vorbei. Nun, wenigstens der Geruch hatte etwas an sich. Als würde er sich mit jedem Meter ändern, von stinkend, zu angenehm, wieder zu stinkend, und dann irgendwann wieder zum normalen, als ich mich von der Anlage entfernte, und mir das erste Dorf entgegenkam.

Wenn ich die Dörfer vom Weiten sehe, und auch wenn ich in ihnen bin, stelle ich mir manchmal eine medievale, eine mittelalterliche Umgebung vor. Ich assoziiere das Mittelalter, vermischt mit Fantasyrollen als wünschenswerte Umgebung, und ertappe mich selbst immer wieder dabei, dass die unschönen Aspekte hinaus genommen werden. Aber, so eine Umgebung – Sie wäre traumhaft romantisch, nicht? Ohne all das Leid, welches leider existent war. Ich glaube, jeder der einmal The Elder Scrolls gespielt ha ,weiß wovon ich spreche. Eine Welt, die mir unglaublich genehm wäre. Wenn ich etwas empfehlen könnte, dann der dritte Teil – TES III – Morrowind. Die Insel Vvardenfell, gelegen im Osten des Kontinenten Tamriel, ist Schauplatz der Geschichte. Eine Insel, gefüllt mit Leben. Mit Historie, mit Neid und Gier, dennoch mit Liebe und Freundschaft. Jeder Charakter etwas einzigartiges, selbst die Wachtruppen, die immer wieder durch ihre geistreichen Sprüche auffallen. Der Spieler ist wie gefesselt von der Welt, und für einen Menschen wie mich ist es schwierig, sich an der Haupthandlung festzuhalten. Nein, ich erkunde lieber die Welt, und die Charaktere, die alle ihre eigenen Handlungen besitzen. Wer weiß, wie viele Stunden ich in Tamriel verbrachte, ich werde nie alles erleben können. Es passt alles, der Soundtrack, die Landschaft. Morrowind, Oblivion, Skyrim. TES III, IV, und V. Meiner Meinung nach mit die besten Spiele, die ich gespielt habe, und Morrowind war wohl das Beste von allen. Oblivion und Skyrim wurden etwas für die Massen ausgerichtet, was aber den Träumer überhaupt nicht störte. Mir bleibt nur eines zu sagen: Danke Bethesda.

 

Zurück in der Realität: Nur der Verkehr hielt mich noch in „unserer“ Welt. Und schon blickte ich auf das Dorf zurück. Ich radelte an einem abgelegenem Haus vorbei, an dem ein Kind mit einem Mann, wahrscheinlich des Kindes Vater, Holz hackte. Es blickte mich irgendwie tragisch an, als es hinter einem Baum hervorschaute. Sehnsüchte, Wünsche, Träume? Wer weiß. Ich habe meine eigenen Träume. Und irgendwie bringen mich solche Fahrradtouren näher an die Verwirklichung.

Und mein nächster Traum wird sein, meine winzigen Hemmungen zu überwinden. Angefangen mit einer Halterung am Lenker, um Musikabspielgeräte zu befestigen, die mir die Möglichkeit geben werden, während der Touren Musik zu hören. Und zwar so, dass jeder der vorbeifährt, Sie auch hören wird.

Was solls. Die Bilder entstanden, als ich meine selbst kreierte Grenze erreichte. Beim nächsten Mal werde ich diese Brücke wohl überwinden. Wer weiß, welche Geschichten sich dort hinter verstecken?

 

Unterstedt-Westerwalsede

Die Brücke, die das Kraftfeld darstellte. Die Gegend rechts gilt als unerforscht. Wer weiß für wie lange.

Holzhütte

Und hier eine stimmige Hütte, die wohl mit einigen Veränderungen gut in die Traumwelt passen würde.

Gutes Gelingen, bei was auch immer ihr schaffen werdet.

Kindheitswelten

Manchmal komme ich stark in die Verlegenheit, in eine andere Welt zu entschwinden. Von diesen anderen Welten gibt es genug, und wenn nötig benutzt man seine eigene Fantasie und kreiert seine eigene Welt.

Als Kind war es einfach. Sehr einfach. Wie oft habe ich mit Freunden – oder auch alleine – einige Modellhäuser hingestellt, die Modelleisenbahn aufgebaut, oder mit Lego einige Straßen gekennzeichnet, um dann mit einigen meiner Busnachbildungen, die sich im Laufe der Kindheit angesammelt haben, diese abzufahren, und Fahrgäste in Form von meinen Freunden, die Legofiguren repräsentierten, aufzupicken, und an ihr Ziel zu bringen. Natürlich nach einem vorgegebenen Fahrplan, der meist eine gesamte DIN A4 Seite beanspruchte. Wenn ich jetzt wieder darüber nachdenke, ich würde es heute immer noch tun, würde sich mal wieder die Gelegenheit bieten, mit einem Kind genau diese Prozedur durchzuführen. Natürlich so abgewandelt dass sie den Wünschen des Kindes entsprechen mag.

Zu Ihrer Linken eine zuverlässige Diesellokomotive aus DDR Bestand, während auf der rechten Seite ein moderner MAN Lions City die Fensterbank ziert.

Zu Ihrer Linken eine zuverlässige Diesellokomotive aus DDR Bestand, während auf der rechten Seite ein moderner MAN Lions City die Fensterbank ziert.

Jetzt frage ich mich, warum ich von mir aus nicht mehr zu diesen Dingen greife. (Abgesehen zur Modellbahn, die durchaus ab und an mal durch mein Zimmer rast.) Die Antwort liegt auf der Hand. Simulationen, Internet, all diese Dinge, die diese Fantasiewelten mehr oder weniger ultrarealistisch darstellen können, und versuchen das Gefühl der Authentizität jedermann so nah wie nur möglich zu bringen. Dennoch bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass diese Dinge die ursprüngliche Variante auf keinen Fall „abschießen“ können. Als Kind fühlte ich mich völlig in diese aufgebaute Welt eingebunden, und habe teilweise die Essensrufe der Elten überhört, da die Realität zu einem gewaltigen Desinteresse führte. Vielleicht schafft es die Virtual Reality Technik, diesem Gefühl ein bisschen näher zu kommen. Ich bin mir dennoch sicher, dass einige es ganz anders sehen, und die heutigen Computerspiele, gar schon die VR Methode, wenn sie Zugriff darauf haben, authentischer befinden als die Kindheitswelten. Und selbst diese Kindheitswelten kommen auch nicht irgendwo her. Nein, wohlmöglich von Kindheitshelden. Bei mir Alfred J Kwak, Thomas die Lokomotive, Nils Holgersson, Bär und Tiger aus Janoschs Feder, welche auch immer. Wer hat nicht einmal davon geträumt, mit seinen Helden der Zeit, Zeit zu verbringen. In ihre Welt einzutauchen, und für immer dort zu bleiben?

Und dann bleibt noch eine weitere Frage offen. Warum geht diese Fantasie irgendwann flöten, und wo ist sie hin? Ich denke, irgendwie und irgendwo schlummert sie immer in seinem Selbst. Irgendwann kommt vielleicht auch die Zeit, wo sie reaktiviert wird. Denn nur die wenigsten schaffen es tatsächlich, diesen unglaublichen Aspekt der Kindheit mit in ihr restliches Leben zu nehmen. Und es wäre durchaus schade, wenn nicht ein paar mehr Menschen darüber verfügen würden.

Oh wie schön ist Panama. Einen schönen Lebensabend noch.

Complex – BOADICEA THE VICTORIOUS

Derrida

By Pablosecca (Own work) [CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

Viele Studenten führen ein turbulentes Leben. Sie sitzen zwischen den Stühlen, zwischen WG und Campus, Lerninhalten und Jobs, zwischen Büchern und unbezahlten Rechnungen. Zeit für Freunde und/oder Selbstreflexion bleibt kaum. Die Frage: „Wie würdest Du Dich beschreiben“, ein Dauerbrenner auf Studentenparties, zeugt von Sehnsucht, aber auch vom verzweifelten Versuch, den aufgezwungenen Spagat zwischen Tiefe und Oberfläche zu meistern. Es bedarf eines gewissen Fingerspitzengefühls, darauf angemessen zu reagieren. Für Ausführliches fehlt die Zeit und eine auf Eckdaten heruntergebrochene Selbstdarstellung wäre derartig seelenlos, dass sie für alle Beteiligten zur Zeitverschwendung würde. Meine bevorzugte Antwort war deshalb stets: „Ich bin komplex.“. – Und dementsprechend groß war meine Freude, als ich ein Parfum annähernd gleichen Namens für mich entdeckte. Es war mein erstes der Marke BOADICEA THE VICTORIOUS aber bei Weitem nicht das letzte. In meinen Augen haben die Schöpfer hinter dem Label die Fähigkeit, so präzise den Archetypen eines Duftes zu treffen, dass es selbst dem Psychologen Jung imponiert hätte. – Er war es, der den Begriff „Archetyp“ in die Psychologie brachte.

Es ist meine Eigenart, zuweilen Sinneseindrücke mit Wissensfragmenten zu vermischen. Das dahinterliegende Muster habe ich bisher nicht durchschaut. So ist für mich die Architektur von Le Corbusier eng verbunden mit der Musik von Claude Debussy. Beide liegen für mich in einem blauen Farbschema, und Unendlichkeit ist für mich ein bunter, großer Lichtkreis, beleuchtete Kuppe eines Berges in der Nacht. Manchmal sind es Töne oder Tonfolgen, Bilder Düfte, in seltenen Fällen, wenn die Eindrücke besonders markant sind und mir außergewöhnlich gut gefallen, können es auch ganze Filmsequenzen sein, die sich vor meinem geistigen Auge abspielen.

Wenn „Complex“ in meine Nase strömt, habe ich sofort eine Bildsequenz in meinem Kopf. Ich „sehe“  einen meinen Helden, den Philosophen Jacques Derrida, Er kämpft sich abends stapelweise durch Archive und Druckereien, in und um Paris, im November des Jahres 1966. Grelles Neonlicht beleuchtet Regale Nikotin-vergilbter Dokumente.  – Der Geruch von frischem und altem Papier vermengt sich mit dem von noch nicht getrockneter Druckerschwärze. Die Luft ist stickig und scheint elektrostatisch aufgeladen, die lärmenden, auf Hochdruck arbeitenden, Drucker-Pressen, in den Nebenräumen der Archive, fügen Noten angebrannten Kunststoffs hinzu.  Für einen Oud-Duft ist „Complex“ auffallend trocken und wenig verspielt, insgesamt ein strenger Duft, der für mich die erforderliche Präzision andeutet, die mir gerade dann besonders erforderlich scheint, wenn man Derridas Werkzeug der Dekonstruktion zur Analyse des Kontextes nutzt.

Ich habe eine Vorliebe für außergewöhnliche Düfte, die vom Umfeld kontrovers aufgenommen werden. „Complex“ empfinde ich als Vorzeigemodell dieser Gattung. Es hat Ecken und Kanten aber ist in sich stimmig, sowohl vom Duft als auch darüber hinaus. Das Werk Derridas führte mehr oder weniger direkt zu den Gender Studies. – Es hätte nicht gepasst, wenn BOADICEA THE VICTORIOUS nicht ausschließlich Unisex-Düfte anbieten würde. – Weder zu „Complex“, noch zu der Namensgeberin der Marke, jener britannischen Königin, die sich eine erbittere Schlacht mit den Römern lieferte, irgendwann zwischen den Jahren 60 und 61 nach unserer Zeitrechnung.

„Complex“ gefällt sicher nicht jedem. Mir dafür umso mehr.

Debut au bord du Plateau.

Der Reiz der Geschwindigkeiten.

So mancher mag jetzt an Flugzeuge, Raketen, an gar Lichtgeschwindigkeit denken. Aber, mir geht es weniger um diese Art von Geschwindigkeit. Zuerst sollten wir klären, wie schnell wir uns bewegen. Die Antwort darauf ist eigentlich ganz einfach. Geschwindigkeit ist immer ein Aspekt, wie schnell man sich in Bezug zu einem anderen Objekt entfernt, einfach gesagt. Ein Zug in dem Sinne, bewegt sich einfach nur relativ zur Erde, zum Universum, und darüber hinaus.

Wir wenden uns mal fort von diesem Gedanken, und denken so einfach wie wir es täglich tun.  Vorhin absolvierte ich eine kleinere Joggingrunde, und bewegte mich mit vielleicht 12 km/h in Bezug zum 182.421. Baum der nördlichsten Ecke des Amazonas. Dabei lagen parallel zu mir die Gleise der Bahnstrecke Langwedel – Stendal, auch bekannt als Amerikalinie. Die Amerikalinie verdankt den deutschen Auswanderern ihren Namen. Auf ihr sind Jene aus östlichen Gefilden (Berlin, Magdeburg etc.) über den Columbuskaje in Bremerhaven auf die Auswandererschiffe gelangt, und haben sich auf die Reise begeben. Auf meiner Runde, verschaffte ich mir die Zeit, langte auf meine Uhr, und merkte, dass ich ein wenig zu früh dran war, um ein Foto mit Triebwagen zu erhaschen. Also, sind es welche ohne jenes Transportmittel geworden.

 

Amerikalinie gen Osten

sdr

 

Für alle, die nichts mit den gegebenen Informationen anfangen können – Diese wenigen Zahlen, die erkennbar sind, geben recht genau den aktuellen Standort wieder.  Im Hintergrund des ersten Bildes ist eine weiße Tafel zu erkennen, jene die Zahlen 83,4 beherbergt. Daraus lesen wir, wir befinden uns genau 83,4 Kilometer von Uelzen, und darüber hinaus 303,6 Kilometer von Berlin Wannsee entfernt. Die Maximalgeschwindigkeit auf diesem Streckenabschnitt liegt bei Vmax = 80 km/h. Erscheint nicht besonders viel, aber es hat nichtsdestotrotz einen gewissen Reiz, sich mit dieser Geschwindigkeit fortzubewegen, in die Bogenüberhöhung hineinkommen, wieder herausfahren, und die Landschaft vorbeiziehen zu lassen. Einen besonderen Reiz hat das ganze, wenn es regnet. Vielleicht komme ich irgendwann mal zu genaueren Impressionen, besonders wenn ich ab dem 1.9. diesen Jahres meine Ausbildung zum Fahrdienstleiter bei der Deutschen Bahn beginne.

Bis dahin versuche ich, die Leser ein wenig einzustimmen, etwas über Signale, Zugsicherung, und weiteren Bahninhalten zu beschäftigen. Von Carrés, über Sémaphores – französischen Signalbegriffen, bis hin zum Zugunglück von Eschede. Wer weiß. Themen sind reichlich vorhanden.

Ganz nebenbei, soll eigentlich der Aspekt der Umgebungsbeobachtung, und daraus folgenden anderen Themen auch eine recht große Rolle erfüllen, da selbst ich es vermutlich nicht allzu lange aushalten werde, nur über Fahrtbegriffe zu schreiben.

So geht nebenbei auch meine Joggingtour weiter, und von der Regionalbahn, die pünktlich ihren Weg nimmt, höre ich nur noch die Motorgeräusche, da ich mich schon im Wald befinde, um meine Augen auf einen blauen VW fokussiert sind. Der Feldweg, in Richtung eines Dorfes, geht am Waldrand entlang, und auf halbem Wege zum genannten Dorf zweigt nach links ein Waldweg ab. An der Abzweigung ließ ich mich dazu leiten, einige Dehnübungen zu vollziehen. Warum auch immer. Sobald fuhr auf dem Weg hinter mir dieses blaue Auto entlang. Langsam ging ich weiter, und bemerkte es etwa zwei Minuten später wieder, wie es in entgegengesetzter Richtung denselben Weg befuhr. Die blonde Frau starrte mich aus dem Auto an. Viele Gedanken mache ich mir bei so etwas nicht, eher mache ich mir Gedanken darüber, was sich diese Personen denken. Ich joggte weiter, durch den Wald, aus dem Wald heraus, und blieb an einem Bach stehen. Eine Gelegenheit, eine „Lichtmalerei“ meines neuen Smartphones auszuprobieren. Laut dem Effekt bietet diese die Möglichkeit, in einem seidenweichen Effekt die Bewegung von Wasser zu sehen.

Ist ausbaufähig.

Ist ausbaufähig.

Auf diesem Bild ist auch meine Joggingroute zu erkennen. Rechts vom Bildrand, etwas in der Ferne, befindet sich das Haus, in welchem ich mein Dasein friste. Die Wälder am südlichen und östlichen Rand (oben , links) galt es zu durchqueren. Praktisch ein Quader. Der Bach, auch als Schmohbach bekannt, folgt seinem Lauf, unterquert die Amerikalinie, etwa auf Höhe des Waldes im Süden, fließt in den Gohbach, welcher über Aller und Weser seinen Abfluss in die Nordsee findet, und so einen Weg in die Weiten der Welt offenlegt. Schon faszinierend.

Der Feldweg – Ich vergaß zu sagen, dass der östliche Wald von zwei Feldwegen umgeben ist – endet auf einem kurzen Stück Asphalt, welcher sich durch unser Dorf zieht. Einige Meter weiter begebe ich mich nach links, am Spargelhof vorbei, rechts ziehen die Kühe ihre Wege durch die Melkanlage. Der Pfad schlängelt sich um Pferdekoppeln herum, und läuft auf die Dorfstraße hinauf, die mich zu jenem Ort trägt, an dem ich diesen ersten Blogeintrag schreibe.

 

Sous un soleil qui vaut de l’or – avec la mer qui campe au loin
Poussant ses vagues au creux d’un port – très loin du canal Saint-Martin

Cruel Intentions / Kilian

Der Briefroman >>Les Liaisons dangereuses<< von Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos, Schriftsteller und Offizier, erschien erstmals im Jahr 1782, siebzehn Jahre, nachdem Richard Hennessy, ebenfalls Offizier, sein bis heute erfolgreiches Unternehmen gründete. – Allerdings war es erst sein Sohn, James Hennessy, der selbst mit der Destillation begann. Während die nächsten Generationen ihre Stellung ausbauten und so zum weltweiten Marktführer des Cognacs avancierten, setzte die fünfte Generationen neue Maßstäbe: Killian Hennessy fusionierte zunächst, in den 1970ern, mit dem Champagner-Marktführer Moët & Chandon (gegründet 1743), und ein Jahrzehnt später mit der Luxus-Koffer-Marke Louis Vuitton (gegründet 1854). So wurde die Unternehmensgruppe unter dem Kürzel LVMH (Lois Vuitton – Moët Hennessy) zum weltweit bedeutendsten Konzern für Luxusartikel zusammengefasst. Schließlich ergänzte Killian Hennessy noch einmal sein Sortiment. Hinzu kamen Luxus-Düfte der Marke „by Killian.“

Klassentreffen

Moët & Chandon(1743) Champagner, Louis Vuitton (1854) Tintenfaß, By Killian Parfum „Cruel Intentions“, Hennessy (1764) Cognac

Das Parfum „Cruel Intentions“ erschien 2007 und ist eine direkte Anspielung auf den gleichnamigen Film des Jahres 1999. Letzterer transportiert die „gefährlichen Liebschaften“ samt seinen Charakteren in die Vereinigten Staaten der 1990er Jahre, was sowohl durch den passenden Soundtrack als auch die begabten Schauspieler gelingt. Darüber hinaus wird der Adel der Vorlage im Film durch Reichtum dargestellt, der sich zum Teil in den Luxusartikeln spiegelt, von denen die Hauptfiguren umgeben sind. – Selbstverständlich handelt es sich hierbei um Produkte des Hauses LVMH.

Für mich ist „Cruel Intentions“ ein unverzichtbarer Begleiter auf Zeit geworden. Hätte ich nicht die Eigenart, meinen Duft den Situationen anzupassen, die ich in den nächsten Stunden erwarte, wäre es vielleicht mein Signatur-Duft.  Für mich stimmt an diesem Parfum alles, von den Hintergründen über die mitgelieferte „Truhe“, samt Schlüssel, bis hin zur Aufforderung „tempt me“ auf dem Flakon. Der Duft ist mystisch, stilvoll und zeitlos, Sillage und Haltbarkeit sind überragend. Das Oud kommt in keinem anderen Duft, den ich kenne, schöner zur Geltung, was nicht zuletzt an der Rose in der Kopfnote liegt. Insgesamt erscheint mir das Parfum weich und samtig, einem Hennessy-Cognac würdig,  perfekt ausbalanciert und ideal zum Schreiben von Liebesbriefen. Oud und Sytrax agieren als harmonische Verbindung aus Orient und Oxident und hinterlassen in ihrer Kombination ein internationales, weltoffenes Flair, mit verspielter Egozentrik, die sich niemals in den Vordergrund drängt. Auch wenn das Parfum für beide Geschlechter konzipiert wurde, was mir übrigens prinzipiell äußerst sympathisch ist, kann oder sollte es nicht von jedem getragen werden. – Es verlangt eine gewisse Reife, die mir in dem Wissen zu bestehen scheint, dass Leidenschaft und Tragik um jeden Preis der Gewöhnlichkeit vorzuziehen sind.

Laura Witherspoon und Ryan Phillippe  spielten nicht nur auf der Leinwand ein Liebespaar, sie wurden auch eines. Der Unterschied zwischen Vorlage und realem Leben bestand im Fehlen der Intrige, die zu Unrecht einen schlechten Ruf genießt. Im Film starb eine der beiden Figuren, doch die Schönheit blieb am Leben. In der Realität war es umgekehrt: Heirat 1999, Scheidung 2007. – Welch ein Trauerspiel.

Eine Frage der Zeit

Es ist ca. 25 Jahre her, dass ich Star Trek Next Generation sah. Von diesem Moment an wollte ich unbedingt Licht mit meiner Stimme regeln. Ich habe, über die Jahre, einige Anläufe genommen. doch die mir zur Verfügung stehende Technik war einfach nicht weit genug.

Nun ist es anders, auch wenn ich ca. 2 Tage brauchte, um die Hue 2.0 voll funktionsfähig zu machen. Es hat sich gelohnt: Einer meiner Jugendträume ging in Erfüllung.

Allerdings ist es offensichtlich ein Merkmal dieser Zeit, dass nie etwas so funktioniert, wie man es in der Anleitung lesen kann. Laut Anleitung ist es ganz einfach: Hue 2.0 zur Hue 1 ins Netzwerk stecken, die App erkennt beide Systeme, überträgt dann die Daten für die Lichtszenen und abschließend kann nun über die App bestimmt werden, welche Szenen man mit Siri steuern möchte. – Das hat so bei mir nicht funktioniert. Die Geräte wurden zwar von der Hue App erkannt, doch der Transfer scheiterte. Ich habe dann über die Hue-App die DHCP-Funktion herausgenommen, die Daten konnten so übertragen werden. Abschließend wurde ich aufgefordert, die Hue 2.0 auf Werkseinstellungen zurückzusetzen, was ich eigentlich nicht wollte. Die App hat dies jedoch nicht, wie versprochen, registriert. Also, Stecker gezogen und App getestet. Funktionierte wie vorher. – Siri auf meinem iPhone 6 eingerichtet. – Und siehe: Sprachsteuerung funktionierte. Nun versuchte ich das ganze mit meinem iPad Air 2. Das funktionierte nicht. Das Homekit war bereits belegt. Also löschte ich das ganze von meinem Handy und versuchte es nun direkt auf meinem Pad. Das hat funktioniert. – Nur leider trat diesmal das Problem mit meinem iPhone auf. Nach weiteren Versuchen zeigten schließlich beide Geräte an, dass ich sie zum Schalten nicht mehr benutzen konnte, da die Bridge von einem anderen Teilnehmer besetzt war. Hier half nur noch ein kompletter Reset.

Nun zur zeitsparenden Variante, die ich dringend empfehle: Schmeißt die Bridge 1 aus dem Netzwerk, ohne Daten übertragen zu wollen. Schließt die Bridge 2.0 ans Netzwerk an, nehmt Eurer iPhone (löscht unbedingt alle Bridge-Daten, bevor Ihr das tut) und installiert die Hue-App. Danach noch einmal die Komponenten finden. – Das klappt wesentlich besser als bei Bridge 1. – Ich habe hier ca. 10 Geräte, einige davon sind steuerbare Steckdosen. Bei Version 1 musste ich tatsächlich Telnet benutzen, um die Dinger mit der Bridge zu koppeln. Dieses Netzwerkprotokoll wurde im selben Jahr entwickelt, als die dritte Staffel von Star Trek Classic das Licht der Welt erblickte, also 1969. Glücklicherweise blieb mir diese Telnet-Nummer bei der Bridge 2.0 komplett erspart. Die App fand sofort alle 10 Komponenten meines Netzwerks. Meine Lichtszenen wurden wieder hinzugefügt, als ich mich mit dem Online-Hue-Ableger verband. Allerdings waren die nicht mehr „farbecht“, Ihr werdet also um eine Neuprogrammierung der Lichtszenen nicht herumkommen. Abschließend habe ich die App auf meinem iPhone für Siri eingerichtet und Geotracking und Uhr eingerichtet. Die Sprachsteuerung funktionierte nun per iPhone und Apple-Watch. Abschließend erlaubte ich der App, die Szenen zu teilen.
Als ich nun die App auf mein iPad lud, ging das ohne Probleme. Sie fragte mich, ob sie die geteilten Szenen übernehmen soll. – Ja bitte. Nun konnte ich auch wieder die App über das iPad steuern. Es ist allerdings gewöhnungsbedürftig, dass die Szenen, die per Stimme funktionieren, nicht angezeigt werden. – Ihr müsst sie nicht noch ein zweites Mal markieren, wie ich dachte. Stattdessen solltet Ihr Euch lieber von der Funktion Siri fernhalten. Übrigens gibt es auch eine Möglichkeit, Eure Hue Geräte mit dem PC zu steuern. Das Programm nennt sich WinHue 3 Beta. Es funktioniert, auch wenn ich es noch nicht mit der Sprachsteuerung von Win 10 getestet habe, die ich bisher als Krampf empfinde. (Eventuell könnte das Update der XBox One, welches Microsoft zum 12.11.2015 angekündigt hat, daran etwas ändern. PC und XBox One sollen die selben Win 10 Basis bekommen, weshalb ich davon ausgehe, dass Teile der XBox One auf Win 10 beeinflussen werden. – Die Sprachsteuerung arbeitet bisher auf der Konsole flüssiger.)

Wie ist also meine Bilanz?
Vor exakt 30 Jahren war der Film „Zurück in die Zukunft“ der Hit in den Kinos. Der zweite Teil zeigte das Jahr 2015 mit fliegenden Autos und Sprachsteuerung, jedoch ohne Internet. Dafür lief die Sprachsteuerung allerdings wesentlich runder.

Die Kombination Apple-Watch mit Heu Steuerung funktioniert am saubersten, sofern man nicht zufällig einen Menschen in seinen Kontakten hat, der Licht mit Nachnahmen heißt. (Ich brauchte den Kontakt sowieso nicht mehr.) Wenn alles eingerichtet ist, macht das System einen riesen Spaß. Ich gebe 5 Punkte, weil einer meiner Jugendträume erfüllt wurde. Nur finde ich es schade, dass ich 25 Jahre darauf warten musste.