Minotaure / Paloma Picasso

minotaure

Es war der Nachmittag eines warmen, wolkenlosen Sommertages. Die leichten Wellen des Sees zauberten lebendige Lichtreflexe über das Grün der großbürgerlichen Wohnanlage in Ufernähe. Eigentlich hätte ich bereits früh morgens hier sein sollen, den kleinen Strandstreifen belagernd, mit einem Buch von Sartre im Sand. -Nicht zum Lesen. – Als Dekoration, während ich dem Müßiggang fröne und tiefen Gedanken nachhänge, von der Reife der Jugend und der tragischen Vergänglichkeit des Schönen und Mühelosen.

Stattdessen leistete ich, wie jeden Tag im Sommer 1997, meinen Zivildienst; overdressed, mit Designer-Sonnenbrille, einheitlich schwarzer Kleidung und Minotaure auf meiner Haut. Der Duft von Bergamotte war nicht zu aufdringlich und dennoch im gesamten Fahrzeug wahrnehmbar. – Ich beförderte Menschen, mit körperlichen Gebrechen, begleitete sie meist von Sozialbau zum Krankenhaus und zurück. Dieses Mal jedoch zeugte die Adresse von einem gewissen Niveau und auch mein, per Funk, durchgegebenesZiel, die Berliner Philharmonie, stimmte mich erwartungsvoll. Eine ältere Frau in tadelloser Abendgarderobe mit Gipsbein humpelte lächelnd auf mich zu. Ich sprang aus dem Auto, begrüßte, sie, öffnete ihr die Tür, schloss diese hinter ihr und stieg wieder ein.  Beim Losfahren beäugte ich sie im Rückspiegel. Ihre extravagante Sonnenbrille forderte es geradezu heraus, sie mit meinem, selbst für meine Verhältnisse, geschwollensten Deutsch anzusprechen.

“Meine Dame, ich komme nicht umhin, Ihnen ein Kompliment für ihre bemerkenswerte Sonnenbrille zu machen.”
“Dankeschön. Sie ist von Paloma Picasso.”
“Von Paloma Picasso ist das Parfum, dass ich heute trage.”
“Ihre Sonnenbrille ist aber auch sehr schön.”
“Vielen Dank. Sie ist von Donna Karan.”
“Von Donna Karan trage ich heute mein Parfum.”

Obgleich es eine größere Strecke von den Berliner Außenbezirken in die Innenstadt ist, verging die Fahrt wie im Flug. Wir redeten über mein Ziel, Autor einer eigenen Zeitschrift zu werden und über ihre Vorliebe für klassische Musik, die sie gleich mit ihrer Freundin im Konzert teilen würde, trotz verstauchten Fußes. Sie verabschiedete sich mit den Worten, dass sie sich freuen würde, von mir in der Presse zu lesen. Ich sah sie niemals wieder.

Minotaure ist seitdem fester Bestandteil meiner Sammlung. Hätte Dorian Grey eine Verabredung mit Lolita, er würde Minotaure tragen. Kein Parfum, mit dem ich je Bekanntschaft gemacht habe, assoziiere ich so sehr mit jugendlicher Reife, samtig-pudriger Frische und zeitloser Klasse. – Einzig vergleichbar, mit dem Genuss von Marc De Muscat auf einer Terrasse in freundschaftlicher Gesellschaft unter dem nächtlichen Sternenhimmel.

Manchmal hasse ich Vergänglichkeit

Ich bin nicht sonderlich interessiert an Tattoos. Und dennoch ging ich Mitte der 1990er in Berlin auf eine Tattoo-Convention. Ich wusste, Giger war eingeladen, da seine Motive längst Einzug in die Szene gehalten hatten. Dabei habe ich einen Vorgeschmack Gigers Kunst viel früher bekommen, ohne mir dessen bewusst gewesen zu sein. Er fertigte einen Teil der Kulisse und auch das Alien selbst, im gleichnamigen Sci-Fi-Film von 1979, wofür er, nebenbei bemerkt, auch einen Oscar erhielt. Später kreierte er einen Teil der Stühle für den Sci-Fi-Film “Dune”(1984).

1992 war für mich ein großartiges Jahr. Ich hatte zwei sehr gute Freunde und wir trafen uns Abends und philosophierten über den Sinn des Lebens und den Rest bis tief in die Nacht. Wir lernten mehr in diesen “Sessions” als in der Schule, zu der wir ziemlich übermüdet am nächsten Tag gehen mussten. Wir programmierten Fraktale, backten Pizza und Sprachen über wirklich alles, was uns einfiel, natürlich auch über Kunst. Die Surrealisten hatten es uns besonders angetan. Wir begannen, die Werke zu interpretieren, beschäftigten uns mit den Lebensläufen von Salvador Dali und Picasso, wobei Picasso kein Surrealist war, jedoch ein von Dali bewunderter Künstler. Irgendwann gelangten wir zu Dalis Freund, den Künstler Giger und auf die Vorliebe Gigers für Deborah Harrys (Blondie) Gesicht. Wir waren keine “Groopies” aber wir schätzten seine Analytik, die sich für uns in seinen Werken niederspiegelte. Letztendlich empfanden wir tiefen Respekt für Dali und Giger und diskutierten wild, wem von beiden wir den Vorzug geben würden. Dali, dessen Vermächtnis durchaus als vielseitiger betrachtet werden konnte (mehr Motive / Verwendung unterschiedlichster Farben) oder doch Giger, der durch seine Airbrush-Technik tatsächlich Foto-realistischen Surrealismus schuf, wie ich es damals nannte.
Ich erinnere mich, dass ich Giger als “Gewinner” empfand, nachdem er vom Schweizer Zoll wegen pornografischer “Fotos” festgehalten wurde. Erst als er einen Sachverständigen eingeflogen hatte, ließen die Beamten von ihm da, da dieser versichern konnte, dass es sich bei dem Fund nicht um geschossene Fotos sondern um von Giger gemalte Bilder handelte.
Ich kann mir kaum eine bessere Kritik vorstellen.

Nun gut. Convention 1995. Ich war da, Giger war da und ein völlig unfähiger Moderator, der ein Interview mit Giger führen sollte. Er stellte banale Fragen und in diesem Moment gab es zwei Menschen, die das Gesicht vor Schmerz verzerrten: Giger und ich. Es stellte sich heraus, dass ihm das aufgefallen war, und so sind wir förmlich miteinander zusammengestoßen. Wir zogen uns zurück und redeten als die “Show” zu Ende war. Ich habe ihn als bemerkenswerten, analytischen, bescheidenen Mann, in Erinnerung, der soviel Verständnis hatte, dass er mir seine Konaktdaten gab, da ich ihm klarmachte, dass ich irgendwann und auf jedem Fall eines seiner Bilder kaufen wolle.

Vorgestern bekam ich die Meldung, dass Giger gestorben sei. Ich habe nie ein Bild gekauft. Entgegen meiner Erwartungen in meiner jugendlichen Sturm- und Drang-Phase, war es viel schwerer, 25.000 Euro auf die hohe Kante für Kunst zu legen, als ich einst annahm.

Und dennoch: Wiedereinmal mehr habe ich den Eindruck, dieser Zug ist endgültig abgefahren. Ich bedaure es, dass ich mein “Versprechen” nicht einlösen konnte. Was bleibt ist die Erinnerung an ein Gespräch, dass ich nie vergessen werde und eine gewisse Dankbarkeit, für einen Künstler, der mich mit seinen Werken inspiriert hat, zum Staunen brachte, verdammt tiefe Gespräche in meinem Freundeskreis sorgte, und die Erkenntnis:

Manchmal hasse ich Vergänglichkeit.

Über Filme

Eigentlich lege ich Wert darauf, dass im Plateau nur eigene Filme gezeigt werden. Bei diesem hier mache ich eine Ausnahme. Um es kurz zu machen: Es ist momentan trendy, Menschen mit Medikamenten zu füttern, die psychische Probleme haben. Ich halte dies für eine Fehlentwicklung, zumal nicht wenige dieser Medikamente weitere oder gar die selben Probleme verstärken, bzw. auslösen können. Abgesehen davon bin ich ein Fan von Problem-Lösung, nicht von Symptom-Behandlung. Richard Davidson ist ein bedeutender Psychologe, der es vorzieht, bei seinen Patienten Hypnose einzusetzen, anstatt sie mit Drogen abzufrühstücken. Das ist sicher nur der erste Schritt, da Menschen, die nicht mehr austicken auch bereit sein werden, tiefen-psychologische Therapien zu absolvieren. – Zumindest ist es aber kein Rückschritt. – Eine Schädigung durch Medikamente jedenfalls scheidet aus. Ich hätte Euch liebend gerne den ganzen Film an dieser Stelle geboten aber leider ist er nicht kostenfrei verfügbar. Dennoch könnt Ihr ihn vom Plateau aus leihen. Das kostet einmalige 6 Euro. Wie Ihr das anstellt, erfahrt ihr hier:

http://www.plateau-trivial.de/wp/?page_id=3096

Ich wünsche gute Unterhaltung. Aber wenigstens kann ich Euch hier schon einmal den Trailer vorspielen:

Star Trek – Into Darkness

Gestern war Premiere von Star Trek 12 – Into Darkness. Ich kam mehr oder weniger durch Zufall in den Genuss, dabei sein zu können. Allerdings muss ich sagen, dass ich mit dem Medienrummel, den Paramount Deutschland da veranstaltet hat, nicht wirklich viel anfangen konnte. So vertrete ich die Auffassung, dass man Leute das tun lassen sollte, was sie können. Ich bin zwar kein Sportfan, würde aber lieber einem Boxer beim Boxen oder einem Fußballspieler beim Fußball zusehen, als ein Interview zu welchem Thema auch immer mit ihnen zu hören. – Schließlich weiß ich, was ein Kopfball oder ein ordentlicher Haken mit dem Hirn des Akteurs anstellt. Wozu da noch reden? Paramount tischte unter anderem einen Extremsportler und eine Band auf, die eigentlich keinen Bezug zu Star Trek hatten. – Und auch die Beteiligten selbst, schienen nicht wirkliche Fans zu sein. Insofern hat mich das Gerede eher gelangweilt. Das restliche Publikum schien jedoch sehr erfreut, das ein oder andere bekannte Gesicht zu sehen. Ich hatte diesem Impuls nur bei meinen persönlichen “Helden”, Oliver Kalkofe und einem Mitglied der Blood-Hound-Gang.

Dreieinhalb Stunden später wurde dann ins Kino 8 gerufen. Nach dem Passieren der Sicherheitsschleusen (Handies durften nicht mitgenommen werden), ging es dann in den Saal, wo sich die anwesenden Schauspieler noch einmal dem Publikum zeigten. Regisseur Abrams ging mir allgemein gegen meine hoch wohlgebore Hutschnur.

Nun zum Film: Ich hatte nicht wirklich große Erwartungen an den Inhalt. – Für Tiefe ist Abrams so geeignet, wie ein Fußballspieler zum Boxen. Warum der Film nicht gleich in 3D aufgenommen wurde, sondern erst in 2D, um dann in 3D konvertiert zu werden, habe ich nicht verstanden. Der Effekt hatte trotzdem mehr Tiefe als die Dialoge der Schauspieler. – Ich habe gehört, Abrams möchte zu Star Wars wechseln. Meinen Segen hat er. Vom Niveau seiner Filme passt er wirklich besser zu Micky-Mouse und Co. Dennoch hat mich Star Trek 12 positiv überrascht. Benedict Cumberbatch glänzt ja hauptsächlich in der BBC-Serie Sherlock. Dennoch hat er als Bösewicht den Film wirklich aufgewertet. -Seit Star Trek 11 wissen wir ja, dass Bösewichte nicht unbedingt clever sein müssen. – Aber es macht deutlich mehr Spaß, ihnen zuzusehen, wenn sie intelligent sind und für Ihr Handeln auch einen sinnvollen Grund haben. Apropos Star Trek 11: Als ich den Film im Kino gesehen habe, war ich vom Konzept der alternativen Zeitlinie nicht begeistert. Es wirkte auf mich nicht schlüssig. Tatsächlich ist es in Film 12 geglückt, mich mit der parallelen Zeitlinie eher zu versöhnen. Gefreut haben mich auch die Easter Eggs, die einiges gerettet haben. Dennoch bleibt der schale Beigeschmack, dass die Idee von Star Trek von den Serien wirklich wesentlich besser gezeigt wurde. – Ich trauer noch immer um Enterprise (bitte nicht mit Classics verwechseln), die nur über 4, anstatt 7 Staffeln hatte.

ein paar bilder

die ersten zwei bilder von kindheitserinnerungen, das letzte bild als kontrast dazu für das wunder, das die wahrnehmung sein kann (in voller größe des letzten bildes werden subtilitäten der wahrnehmung sichtbar – vielleicht kennt ihr ja manches davon?)

die verschwommene bildqualität von diesem automatischen slideshow programm ist aber ganzschön doof. aber man kann unten immerhin auf volle bildauflösung klicken (wenn der browser das zulässt?)

Gedanken-Gekritzel

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Irgendwie finde ich mehr Spaß an meinem iPad3 als ich erwartet hätte. Und beim sinnlosen Herumkritzeln, scheint es mir recht leicht zu fallen, meinen Gedanken nachzuhängen. So habe ich beispielsweise ein neues, wenn auch sehr “übersichtliches” Parallel-Vokabular “erdacht”. – Bisher glaubte ich, “voll schwul” und “voll Titte” aus >>Southpark<< wären jenseits aller Konkurrenz. Aber da ich in letzter Zeit wieder viele Spektrum-Blogs und Spektrum-Artikel absorbiere, scheinen diese Worte nicht mehr recht zu passen. Ich glaube, sämtliche Beiträge, die ich in früheren Zeiten einfach nur schwul gefunden hätte, sind jetzt sehr nachhaltig. Die wenigen Artikel, die ich lesen kann, ohne mir die Haare raufen zu wollen, sind nicht mehr “voll Titte”, sondern “umstritten”.- Umstritten, wie der Bericht über die Möglichkeit, radioaktiven Abfall zu bestrahlen, um ihn zu entschärfen. Oder total nachhaltig, wie die Tatsache, dass es in Deutschland irgendwann verboten wurde, Atommüll zu recyclen. Natürlich hat das Verbot nicht mehr viel mit Umweltschutz zu tun, aber selbsternannte Umweltschützer sind, so fürchte ich, allgemein zu verstrahlt als dass es ihnen auffallen würde. – Apropos völlig verstrahlt: Ich habe heute (und natürlich über Umwege) eine Meldung bekommen, die mich wirklich betroffen macht. (Schön, dass das noch geht.) Der interessante Part daran ist die Tatsache, dass mich diverse Gespenster aus grauer Vorzeit tatsächlich heute noch in meinem Handeln beeinflussen. (Erinnert mich etwas an Gravitation, die endet ja auch nie, sondern nimmt lediglich mit dem Quadrat der Entfernung ab.) Wie auch immer: Angenommen, ich hätte ein ehrliches und aufrichtiges Bedürfnis, einen Ort zu bereisen, einen Menschen zu besuchen oder einen Berg zu besteigen, und weiter angenommen, es wäre nur in einer Gruppe von Menschen möglich, würde ich es dann tun, wenn ich meine Zweifel hätte, ob der Rest der Gruppe ebenso aufrichtige Ambitionen hätte? Nein, das würde ich nicht. – Da habe ich ja noch ´mal Glück gehabt, dass ich zur Zeit kein aufrichtiges Interesse habe. Vielleicht habe ich einen Impuls, und dies dürfte wohl auf den Rest meiner hypothetischen (und sehr traurigen) Gruppe zutreffen. – Aber es wäre auch möglich, Impulse zu hinterfragen, anstatt ihnen blind, und somit völlig unreflektiert, zu folgen.  – Aufgemerkt: Auch aufrichtig gemeinte Aktivitäten können verlogen sein. Und verlogen ist hier wirklich schon genug.

 

brügge…

“Antisoziales Netzwerk sucht unbefriedigte Menschen”

Berlin, 01. Oktober 2012
Wer sich in nächster Zeit durch das Netz bewegt, könnte einige inhaltliche Überraschungen erleben. Hintergrund ist die vom Avantgarde-Netzwerk >>PLATEAU<< angekündigte "Kampagne zur Entfaltung multimedialer Schlagkraft".

Das Plateau-Projekt wurde im Jahr 1999 unter der Domain plateau-trivial.de von dem 24-jährigen Studenten und O.Henry-begeisterten Christian E. ins Leben gerufen und seitdem erweitert. C. E. kommentiert: “Der amerikanische Schriftsteller O. Henry faszinierte vor über 110 Jahren halb New York mit seinen Shortstories. Die Leute fanden sich in ihnen wieder, hofften darauf, jene romantische Erfahrungen zu machen, die Henrys Figuren erlebten; meistens jedoch erfolglos, denn die Leser fanden nicht zueinander. Mich erinnerten seine Geschichten stets an die Sehnsucht, die ich immer dann empfinde, wenn ich vor dem Lichtermeer Berlins oder einer anderen Großstadt stehe, denn das Problem ist geblieben: Wie erreicht man die Leute, nach denen man sich immer sehnte? – Menschen, die Dich wirklich emotional bewegen können? Und wenn ich schon dabei bin, wie wird man zu einem Menschen, der andere bewegt? Meine Antwort war und ist das Plateau.”

Christian E. äußerte sich gegenwärtig nicht weiter zu den Zielen und der exakten Ausrichtung der angekündigten Kampagne. Insider vermuten jedoch, dass es sich um die virale Verbreitung einer unbestimmten Anzahl von Beiträgen verschiedener, fortgeschrittener, PLATEAU-Nutzer handeln könnte, die inhaltlich die Grenzen zwischen Fiktion und Realität aufheben. Sollte sich dieser Verdacht erhärten, könnte das Plateau erneut auf der Suche nach geistreichen, kreativen und überaus intelligenten Neumitgliedern sein, die nicht jeder gesellschaftlichen Konventionen blind folgen und oft gelangweilt sind, weil sie, aus gutem Grund, mehr vom Leben erwarten.

Ein anderes Gerücht besagt, dass die “Kampagne zur Entfaltung multimedialer Schlagkraft” ein Fake sei. Ebenso bestünde das einzig wahre Ziel des Plateau darin, sich für die Verwendung übertrieben langer Relativsätze zu engagieren, wobei die PLATEAU-eigenen Foren-, Chat-, Blog-, CMS-, Wiki- und Social-Media-Anwendungen lediglich der Tarnung dienten.

Der geballte Wahnsinn…

Mal sehen, wohin dieser Wahnsinn verschickt wird!

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Über das Hinfallen und Aufstehen

Es gibt nicht viele Menschen, die mich inspirieren. Die meisten von ihnen sind schon viele Jahre tot und wären nicht einmal am Leben, hätte man sie zu Lebzeiten nicht in Kerker gesteckt, gefoltert, mundtot gemacht oder getötet.

Ich hatte mehr Glück: Mein Entschluss, in einem Keller ohne Fenster zu leben, war fast von mir. – Die Leere von Nachrichten, stupide Ansichten von Eltern oder das Aufgeben des Redens meiner Mitmenschen waren sicherlich nur der geringe Teil meiner Gründe. Allerdings erklärt das noch nicht, weshalb ich mit dieser negativen Sichtweise einen Blogeintrag schreibe. Auch hierfür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen teste ich meine neu eingerichtete Crosspost-Option. Theoretisch sollte das, was ich hier schreibe, in meinem eigenen, kleinen Netzwerk ankommen. Zum anderen möchte ich nicht zu jenen gehören, die die Fähigkeit zu reden gänzlich verlernen. Abgesehen davon erhoffe ich mir, dass sich durch das Schreiben meine Gedanken ordnen. So habe ich zum Beispiel eine Nacht zum Lesen eines neuen Buches genutzt. Es ging um die Möglichkeiten von Kindern, wenn sie nicht von ihrem Umfeld verdorben werden. – In der Theorie versteht sich.