YouNow-Trailer – Tutorial – Rohfassung

Da ich morgen zum ersten Mal mit meiner „Sendung“ auf YouNow on Air gehe, habe ich weite Teile des Wochenendes damit zugebracht, einen Trailer zu basteln. Damit hatte ich gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Erstens konnte ich so noch einmal alle Programme und meine Hardware checken. – Bei der Beta hatte ich ein entsetzliches Rauschen im Hintergrund. Zweitens habe ich mir in den Kopf gesetzt, ein wenig mehr zu tun, als mein Gesicht in die Cam zu halten.

Ich benutzte Flash-MX für den visuellen Content meiner Sendung. Aber Videos von Euren Outdoor-Aktivitäten tun es auch. Darüber hinaus war es mir wichtig, Sound auf einen neuen Level zu bringen. Wenn Euer Computer Sounds auf die Boxen überträgt, die Ihr dann wieder mit Euren Mobilgeräten über Mikro einspielt, mindert das beträchtlich die Qualität.

Mit der kostenfreien Broadcastsoftware, die YouNow vorschlägt, habt Ihr die Möglichkeit, professionell zu streamen, was auf dem Monitor passiert. Das leider kostenpflichtige Programm Virtual-Audio-Cable löst das beschriebene Sound-Problem. Der Preis beträgt ca. 50 Euro. Ein stolzer Preis, aber leider habe ich keine kostenlose Alternative gefunden. Virtual-Audio-Cable besteht aus mehreren Programmen und Ihr solltet die Trial Version auf Eurem PC testen, um sicherzustellen, dass der Teil, den Ihr braucht, bei Euch funktioniert. Diese Version eignet sich leider tatsächlich nur zum Testen.

Als nächstes braucht Ihr ein gutes Programm zum Wiedergeben von Videos und Sounds auf Eurem Bildschirm. Ich empfehle den VLC-Player, da er sehr vielfältig ist. Ihr könnt das Ding in mehreren Instanzen aufrufen und diese gleichzeitig abspielen. So könntet Ihr Eurer Video und die Aufnahme Eurer Cam nebeneinander legen. Die Videos ohne Rand anzuzeigen, gibt es PlugIns, ebenfalls kostenfrei. – Seht Euch einfach an, was Ihr benötigt.

Die Benutzung von VirtualAudioCable ist recht intuitiv. Im vcctlpan wählt Ihr, wie viel „Lines“ Ihr braucht. Ich brauche nur zwei. Danach ruft Ihr mehrere Instanzen des beigelegten Audio-Repeaters auf. (Hier müsstet Ihr nachsehen, was bei Euch läuft. Es gibt die CS-Version und die MMS-Version, alles in einem Paket. Bei mir läuft beispielsweise nur die MMS-Version rund.

Ich wollte eine Musik mit meiner Stimme mixen und statt meiner Boxen mein Headset verwenden.  Bei VLC legte ich zuerst die Wiedergabe auf Line 1. In der ersten Instanz von Audiorepeaters schickte ich dann Line1 (Eingang) zu Line 2 (Ausgang) In einer weiteren Instanz wählte ich als Eingang das Mikro meines Headsets und als Ausgang ebenfalls Line 2. Beim Broadcasting Programm stellte ich nun den Mikro Sound auf Line 2 und den Ausgangssound auf meine Boxen. – Ich hätte auch die Kopfhörer meines Headsets nehmen können. Als letztes öffnete ich noch eine Instanz des Audio-Repeaters. Line 2 leitete ich auf meine Headsetboxen um. Wie Ihr Euch denken könnt, erreiche ich damit, dass es in dem Raum, in dem ich spreche, leise ist. Dennoch bekomme ich die Musik und meine Stimme über meine Headset-Kopfhörer mit. Kleiner Tipp: Wenn Euch Eure Stimme aufgrund der Verzögerung beim Streamen stört, schaltet sie einfach ab.

Nach diesen Vorbereitungen wird es Zeit für einige Tests. Ladet Euch dazu am besten einige Stücke aus Googles bzw. YouTubes Aduibibliothek herunter, um juristische Schwierigkeiten zu vermeiden. Richtet Eurer Braodcasting-Programm auf die Fläche des Monitores aus, die Ihr streamen möchtet. Testet Eure Video-Settings, indem Ihr die Vorschau startet. Wenn Ihr das erledigt habt, startet alle Instanzen des Audio-Repeaters. Testet den Sound, indem Ihr die Instanzen des VLC Players Sounds abspielt. Wenn Ihr mit ihnen einverstanden seid, startet Euren Broadcast, wie auf YouNow beschrieben. Tipp: Ihr könnt nun komfortabel und professionell Streamen. Leider wird bei YouNow, wenn Ihr die Broadcast-Software anwendet, das Vorschau-Bild gecancelt. – Ebenso war es mir nicht möglich, mein Video danach herunter zu laden. – Wenn Ihr die beiden Probleme umgehen konntet, schreibt mir bitte einen Tipp in die Kommentare. (In diesem Blog könnt Ihr auch kommentieren, ohne Euch anzumelden.)

Weitere Wochenend-Erkenntnisse. Zwar habe ich die meiste Zeit der letzten Tage mit diesen „Spielereien“ verbracht aber das war es mir wert. Es wäre vielleicht eine gute Idee, beim „Streamen  mit Zusätzen“ den Taskmanager, bzw. dessen CPU-Auslastung, im Auge zu behalten. – Mein PC ist nicht langsam und dennoch war die Auslastung im oberen Bereich.  – Besonders ins Auge sprang mir der „RuntimeBroker“ von Microsoft. Der hängt offenbar mit den „Tipps für Windows 10“ zusammen und zog richtig Leistung, beim Streamen. Ein Abschalten der Tipps hat bei mir zumindest geholfen. Abschließend: Wenn es auch bei Euch nicht möglich ist, Eure Videos von YouNow als File zu ziehen, solltet Ihr Euer Broadcasting-Programm das Häkchen zum gleichzeitigen Aufzeichnen setzen. Dass Video solltet Ihr anschließend auf die normale Größe konvertieren. Dies geht sehr schön mit dem „Any Video Converter“. Ich habe den Kauf der „Ultimate“ Version nicht bereut. Es ist das beste Programm, dass ich je benutzte, um Filme in HTML5 kompatible Files zu wandeln. Ich verwendete 3 Monitore und muss berichten, dass mir einige mehr vor lauter Fenstern gut getan hätten.

 

 

Dinger machen, so nebenbei

Différance
Als die Idee vom Plateau als Raumschiff thematisiert wurde, fing mein Gehirn automatisch an, es zu visualisieren und für mich war es schnell beschlossene Sache, es auch umzusetzen. Es macht mir zuweilen Spaß, Ideen anderer aufzugreifen und ungefragt etwas damit zu gestalten. Es ist eine ungezwungene Abwechslung zu den eigenen Projekten, bei denen man sich mit der Zeit in übertriebenen Perfektionismus festzufahren neigt.
Kurz zuvor hatte ich angefangen, den Umgang mit dem 3D-Progamm Blender zu lernen. Ich habe versucht, das typische Star Trek Design mit dem Plateau Logo zu kombinieren. Dafür bin ich von einer sechseckigen Grundform der Untertassensektion mit integrierten Warpgondeln ausgegangen, das Dreieck ließ sich in Form eines Bügels oben draufsetzen, was der sonst kompakten Form wieder mehr Charakter gibt.
Da das Schiff symmetrisch ist, habe ich habe ich das Modell samt der Textur nur zur Hälfte erstellt und automatisch gespiegelt. Als es dazu kam, den Namen aufs Schiff zu schreiben, waren meine Blender-Kenntnisse noch nicht ausreichend, eine elegante Lösung für das Spiegelproblem zu finden. Nemesus hatte die Idee, ein Ambigramm zu benutzen, wovon ich sehr angetan war. Ich kannte die faszinierenden Ambigramme aus Illuminati und Nemi wollte bei deren Designer anfragen, ich konnte es aber nicht auf mir sitzen lassen, es nicht selbst zu probieren.
Ich hatte mich schon früher mit Drehbildern und optischen Illusionen beschäftigt, aber noch nie ein Ambigramm gemacht. Zunächst habe ich den normalen und gespiegelten Schriftzug gegenübergestellt und geguckt, wie sich die Formen kombinieren lassen. Am schwierigsten waren die Buchstaben FF, die zu AN werden mussten. Danach müssen die skizzierten Formen in ein einheitliches Schriftbild gepackt werden. Das heraussuchen passender Schriftarten und deren Modifikation ist aufwändiger, als die Buchstaben gleich selbst zu konstruieren. Das Ergebnis ist nicht so schick wie ein ausgefeilter Font mit ausgewogenen Abständen und Strichstärken.
Ich war überrascht, dass Nemi dieses Teil was ich auf die Schnelle hingezimmert habe, bevor er wieder Unsummen dafür ausgibt, so sehr als Ausdruck der Zusammenarbeit, wie sie vom Plateau beabsichtigt, ansah.

Reise nach Berlin

Nun, was benötigt ein normaler Mensch für eine Reise? Um das Ganze mal ein wenig zu verflechten, führen wir noch dieses (für mich zumeist bestätigte) Vorurteil ein. Jenes, welche Frauen als Menschen darstellt, die immer viel zu viel mitnehmen. Natürlich die Dinge, die nicht unbedingt von Nöten sind, aber dennoch gerne gesehen (Oder auch nicht gerne gesehen) werden. Beispielsweise eine Unterhose, oder auch eine Zahnbürste mit voll funktionsfähiger Zahnpastatube. Und all dem anderen Krempel, der so dazu gehört. Um die Wortanzahl zu polieren, könnte ich all die anderen Dinge noch aufzählen. T – Shirts, Hoodies, Duschgel, Shampoo, Haarbürste, Föhn, Jeans, Jogginghose, jegliche Arten von Kopfbedeckungen, denen ich nur zu gerne ein Adjektiv anheften mag, aber mir dafür die Lust fehlt: Zipfelmütze, Barett, Baskenmütze, Strickmütze, Pudelmütze, Pelzmütze, SkimaskeFliegerhaube, BordmützeSchiebermütze, Prinz-Heinrich-Mütze, Dienstmütze, Bergmütze, Baseballcap. Genug poliert. Und genug Danksagungen für die Wikipedialinks, für all die Mützeninteressierten unter den wohlmöglichen Zuäuglern. Letztendlich hagelte ich ein paar Bücher in meine Tasche, mit voller Kenntnis, dass ich sie nie durchlesen werde. Zumindest in dieser Zeit. Vielleicht eines. Aber ich, wie ich bin, werde voraussichtlich in irgendeinen Zeitschriftenladen gehen, und mir eine Zeitschrift besorgen. Diesmal wird es eine Spektrum der Wissenschaft werden, „Physik – Mathematik – Technik“. Interessante Sachen. Ethisch programmierte, autonome Autos, die so bei einem Unfall reagieren, dass die Opferzahl minimiert wird. An sich gut. Dumm nur, wenn man auf der falschen Seite steht. Aber, was soll man tun.

Nun denn, Reisen. Bei mir stand eine Reise nach Berlin auf dem Plan. Es ging zum Schrecken des Chats – Trotzkind. Welcher irgendwas in Berlin machte, was eine Kreuzung aus Arbeit und Schule war, in einem Irrenhaus irgendwo zwischen Kreuzberg und Moabit. Keine Ahnung. Freitagnachmittag setzte ich mich in den Zug gen Berlin. Einige Stunden vorher drückte ich noch die Schulbank, und behandelte irgendwelche abstrusen Themen, die mir glücklicherweise wieder entfallen sind. Und wiederum 3h 34min später, fand ich mich und meine Tasche auf dem Berliner Ostbahnhof. Schreckliche Atmosphäre. Wie ein riesiger Altkleidercontainer. Nein, vielleicht ein Altglascontainer. Voller Wespen, die jedem Menschen, der ihm zu nahe kommt, die Hölle heiß macht. Ich irrte also durch das Gebäude, und hielt Ausschau nach der Silhouette Trotzkinds. Diese fand ich kurze Zeit später in meiner Hose, die begann kurz zu vibrieren. Ich solle doch bitte zur Klinik am Friedrichshain laufen. Keine Ahnung wo das war, und nur mit einem Geduldsspiel, einem stetigen wachsamen Rundumblick, und gedrosseltem Internet erleuchtete Google Maps meinen Weg. Der Boden trotze mit Pfützen, und um mich herum erhoben sich die Häuser der einzigen Stadt Deutschlands.

Berlin ist die einzige Stadt Deutschlands, und ist nebenbei bemerkt die Stadt mit den meisten Brücken dieses Landes. – Nemesus, etwas abgewandelt.

Ich entschied mich für irgendwelche Straßen, die in die Richtung gehen, da mir Google einen Weg vorschlug, der für mich irgendwie zu lang aussah. Auch zeigte mir die Karte gewisse Parks an, durch die ich wohl hätte gehen können, wären nicht vor jedem dieser Parks Mauern und Zäune. Schade auch. Obwohl ich noch nicht da war, schrieb ich Trotzkind, dass ich da sei. Ich erhoffte mir, dass er hinausgeht und zur Klinik läuft, da ich bemerkte, dass ich von der anderen Seite der Straße auf das Haus zulief, ohne die Klinik zu tangieren. Das ganze sei als Racheaktion gedacht, für den Menschen, der mich am Ostbahnhof alleine unter dem Dach lies, auf dem der Regen des vorangegangenen Gewitters lustig prasselte.

Um mal meine aktuelle Inspirationsquelle zu zeigen, die gerade mein Zimmer beschallt – hier ein Link. Vielleicht nimmt sich jemand jenem an, und lässt das Liedchen mal ein Stück laufen. Ich liebe es. Und wenn wir ganz besonders Glück haben, liegt das Liedchen auch bei dem einen oder anderen auf der Platte, im Ordner von Bethesda Softworks. Quatsch nein, von Steam. Hach. Im Bethesda Ordner liegen ja nur Morrowind und Oblivion, oder auch noch Buggerfall, ich meine natürlich Daggerfall, sowie Arena.

 

https://www.youtube.com/watch?v=AkwI1g5U5PE

Und nebenbei bemerkt, liebend gerne würde ich das Liedchen derweil einbetten. Leider meinten irgendwelche Spinner, dies sei verboten, da ich mir das Lied dann zu eigen mache. Bitte, ich könnte weinen. Nein tatsächlich, das macht die gesamte Ästhetik des Eintrages zunichte! Ich würde diese Spinner gerne mal sprechen.

Tatsächlich traf ich ihn dann kurzerhand am Ausgang der Wohnung. Ich stellte mich vor, legte meine Sachen ab, und wir liefen in die weite Welt hinaus. Wir liefen zuerst in eine kleine Taverne, oh man. Kneipe, irgendwie so was, mit einem Kino. Dort lief jedenfalls leider nichts, oder es wurde einfach nichts ausgeschildert, sodass wir uns auf den Weg zum Standardkino machten, an dem an jenem Abend auch nur Mist lief, es eine Altersbeschränkung gab, die uns den Eintritt verhindern würde, oder die Filme, die interessant erschienen, erst gar keine Vorstellung an diesem Abend zugeschrieben bekamen. Wir liefen wieder heraus, setzten uns in eine Straßenbahn und fuhren zum Alexanderplatz. Irgendjemand sagte mir, Berlin sei aufregend. Und dies bestätigte sich sofort. Auch am Alexanderplatz, an dem ich eine liebenswürdige Facette der Stadt mitbekam. Die Kassiererin! Unbeschreiblich, mit was für einem Gefühl sie die Menschen betrachtete und behandelte. Und in Symbiose mit dem Dialekt, der alles authentischer machte, hat sie mein Herz zum leuchten gebracht. Nein, ich kann es nicht beschreiben, wobei ich es getan habe. Sodass unbeschreiblich eigentlich falsch ist. Nein, es ist fürwahr unbeschreiblich!

Nach der Mahlzeit schnappten wir uns eine S Bahn, und fuhren über die Stadtbahn, die sich genau 11,2 Kilometer durch Berlin schlängelt, zum Hackeschen Markt.. Beginnend am Berliner Ostbahnhof, oder Wahlweise auch am Bahnhof Berlin Charlottenburg, verläuft die Stadtbahn über die Bahnhöfe Jannowitzbrücke, an gleichnamiger vorbei, Alexanderplatz mit dem markanten Fernsehturm, der aus dem Bild Berlins wohl nicht mehr wegzudenken ist. Hinter dem Bahnhof Hackescher Markt führt die Stadtbahn über die Spree und den Kupfergraben, bis sie in den Bahnhof Friedrichstraße einläuft. Von dort aus wieder die Spree überquert, und über die alte Sektorengrenze der neue Berliner Hauptbahnhof erreicht. Jenes Gebäude, welches gerne mal ein bisschen Schuppen auskämmt, und seine Glasplatten dabei verliert. Zum dritten Mal wird die Spree überquert, und über Bellevue und Tiergarten landen wir im Bahnhof Zoologischer Garten, der zu gewissen Zeiten der Bahnhof war, mit dem die Berliner den Fernverkehrsanschluss in alle Regionen besaßen. Der Halt dort wurde für alle Fernverkehrszüge in den Hauptbahnhof verlegt, damit er seine eigentliche Funktion erfüllen kann. (Mal ganz unter uns, er ist noch lange nicht ausgelastet. Aber dass muss ja niemand wissen)

Dieser Bahnhof bildet den Abschluss unseres Treffens mit Nemesus, welches folgend beschrieben wird. Aber um einen Abschluss zum vorherigen Absatz zu finden: Die Stadtbahn macht halt an der Station Savignyplatz, und bildet dann in einem kleinen Schlenker den Anschluss zum Bahnhof Charlottenburg.

Am Hackeschen Markt stellten wir uns an die Spree, und dachten nach. Beide, jeder für sich, mehr oder weniger. Trotzkind indem er sich auf irgendeinen eingerammten Stab traute, der mitten in der Spree stand. Nichts für mich. Ich bin ein kleiner Hosenscheißer.

Der nächste Tag, früh am Morgen, mitten in der Nacht. Ich probiere, das ganze mal aus zwei Sichtweisen gleichzeitig zu nehmen.

Es war fast mitten in der Nacht (Samstag, 11:04) als die Beiden bei mir klingelten. Sicher, ich hatte sie erwartet und tatsächlich war ich schon gegen 07 Uhr aufgestanden. Allerdings hatte ich bis 11:00 Uhr damit zu kämpfen, den Wahnsinn an Unordnung zu beseitigen, der sich bei mir durch Providerwechsel und meinem vorigen Besuch gestaut hatte.

Zu Fuß versuchten wir, zu Nemis Haus zu kommen. Aufgehalten wurden wir erst noch am Bahnhof Wannsee von einer Frau, die den Abfahrort der Busse nicht fand. In vollem Bewusstsein, dass ich keine Ahnung hatte, deutete ich auf die Bushaltestelle, die direkt neben uns ihren Platz hatte. Also, nun schafften wir es, fühlten uns dennoch ein wenig hintergangen, als wir bemerkten, dass es für jede Hausnummer ein jeweiliges separates Haus mit „a) und b)“ gab. Oh man. Schlussendlich standen wir vor dem Haus unseres Zieles, und nach einiger Hosenscheißerei klingelte einer von uns. Ich habe glaube ich keine Ahnung, wer von uns. Glücklicherweise schrieb ich über mein Handy ein „Ding Dong“ in den Plateauchat, was dafür sorgte, dass Nemesus hervorkroch, etwas später als sein Bruder, der uns irgendwie griesgrämig anstarrte, und fast schon abwertend sagte – „Ah, ihr wollt zu Christian.“ Meine Nachricht rettete uns, denn kurz danach wurde uns beigebracht, dass Nemesus die Klingel nicht immer hört. 11:04 also, betraten wir den Keller, der einen Anteil an all dem Wahnsinn hier hat.

Wir begrüßten uns.

Ich stellte mich, um eine Anspielung auf das Angebot Nemesus, ein physisches Treffen zu haben, als âme vor.

Ich bot Erfrischungsgetränke an, demonstrierte meine sprachgesteuerten Lichtinstallationen und zeigte das Technik-Herz meines Kellers, inklusive einer kleinen Einführung der Vorzüge von 3D in 1080p – Auflösung mit 7:1 Raumklang. Danach zeigte ich kurz meine Tees, Alkoholika, Parfums und sonstige Bereiche meiner „Sammlung“. Ich denke, ich tat dies, um zu zeigen, dass meine Beiträge über diese Dinge authentisch sind. Ich lebe, wovon ich überzeugt bin, und das zu zeigen, war mir wichtig. – Vielleicht aber auch etwas übertrieben.

Ich bekam eine Apfelschorle aufgetischt, und in vollem Vertrauen bemerkte ich etwa erst nach der Hälfte der Flasche, dass der Inhalt nicht Apfelschorle war. Ich betrachtete die Flasche, und las Fassbrause. Die Lichtinstallation, die er uns präsentierte, ist wohl eines der besten Einrichtungen des Kellers, neben dem Raumklang.

Aktiviere Spektrum

Als nächstes machte ich die beiden mit Serien vertraut, die ich empfehlenswert fand. Beim nächsten Besuch werde ich diese besser vorbereiten, sofern es sich um physische Datenträger handelt. Ich brauchte viel zu lange, um die zu suchen. Zwischenzeitlich schaltete sich Schuschinus im Chat zu uns. Ceras Smartphone wurde in mein Netzwerk eingebunden, um zu versuchen, im selben Raum mit mehreren Geräten und unter zwei unterschiedlichen Usernames zu chatten (Cera und ich). Das verlief aber nicht so gut, und es zeigte sich, dass ich für Schuschinus nicht die gebührende Zeit hatte, die ich gerne gehabt hätte, was mir immer noch Leid tut.

Sherlock und The Blacklist waren die Serien, die er uns kurz zeigte. Begeistert war ich von beiden nicht wirklich, wobei ich Sherlock im Hinterkopf behielt. Dennoch schauten wir uns die gesamte erste Folge von iZombie an. Sherlock sollte einige Tage später zu einer der besten Serien werden, die ich je sah. Ich habe das gesamte Episodenspektrum innerhalb kürzester Zeit inhaliert. Um kurz dabei zu bleiben, Nemesus suchte erstaunlich lange in einem Wirrwarr aus Büchern, CDs, DVDs, nach eben jenen Datenträgern. Mein Handy raffte es dann leider nicht, sich über Nemis Netzwerk in den Plateuachat einzuwählen. Dies aus dem Grund, dass uns Schuschinus besuchte. Ich schrieb dann mit ihm, während Nemesus suchte, über Nemis PC, was bei ihm Verwirrung stiftete.

An Spielen zeigte ich kurz den letzten Teil der Assassin´s Creed-Reihe. – Aber nur, um Ceras Bahn-Fetisch zu huldigen, und ihm einen Zug zur Zeit der Industrialisierung zu präsentieren.

Nemesus machte dann kurzerhand noch ein wenig Tamtam, um mir einen Zug zu zeigen. Er sprang von Dach zu Dach, und landete in einem Quartier auf Gleisen. Ich gestehe, es gefiel mir nicht so gut, und ich denke es war eher überflüssig. Aber es war nett gemeint. Wenn ich auch noch darauf bestehe, dass ich kein „Fetisch“ habe. Aber, wem soll man was weismachen.

Wir beschlossen, den Keller zu verlassen und eine Kleinigkeit zu essen. Also fuhren wir mit dem Auto durch Berlin, um am Falafel-Shop meines Vertrauens einen kleinen Snack zu uns zu nehmen. Ich wollte die beiden mit neuen Sinneseindrücken konfrontieren. – Und es schien halbwegs zu schmecken.

Er verführte uns in sein Auto. Und wären wir noch etwas jünger, könnte man sich darunter etwas merkwürdiges vorstellen, wären wir nicht die, die wir sind, und würden wir uns nicht jetzt darüber Gedanken machen, wie Scheiße mein Satz doch gerade war.  Er fuhr mit ins in die Stadt hinein, und wir aßen bei einem Perser. War es ein Perser? Irgendwas aus der Ecke. Und es schmeckte tatsächlich sehr gut. Besonders diese grünen Kugeln, die etwas zauberhaftes hatten.

Als nächstes starteten wir den ersten Versuch auf den Berg zu kommen. Spontan fielen mir jedoch noch zwei kleine „Abstecher“ ein. – Weil wir gerade in der Nähe waren, zeigte ich zunächst einen Platz, den zumindest Cera aus meinem Blog wiedererkennen musste. Hier gab es für mich Neues zu lernen, denn offengestanden hatte ich nie die Herkunft des Straßennamens geachtet. Cera wusste zu erzählen, dass die Straße nach einem körperlich kleinen Schriftsteller benannt wurde, der nicht nur zu Zeiten Luthers lebte, sondern auch mit diesem befreundet war.

Wir fuhren durch eine Straße, benannt nach Melanchton. Interessanterweise war sich Nemi des Mannes um die Straße nicht bewusst, sodass ich ihn aufklärte, wie klein er doch war, und wo er wirkte.

Nach diesem Abstecher fuhren wir dann zunächst die Bismarckstraße ab, mit ihren Leuchten, die noch von Speer stammten, jenem Architekt, von dem Hitler so angetan war.

Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube die Beschilderung des Bahnhofs Wannsee stammt auch noch aus Hitlers Zeiten.

Dem Straßenverlauf folgend landeten wir später in der Heerstraße und fuhren am Teufelsberg vorbei. – Das Wetter wurde immer schlechter. Hier kam meine spontane zweite Idee. – Ich wollte ein Haus einer meiner Lieblings-Architekten zeigen, „verpasste“ aber die Ausfahrt. Ich drehte darauf hin ab und schlug wieder den Weg Richtung Hahneberg ein.
Als wir ihn erreichten, war der Regen zu stark, um hinaufzugehen. – Wir beschlossen kehrt zu machen und langsam den Rückweg anzutreten. Wir fuhren durch die Obstallee und ich fand es rührend, dass Cera sich an eine Begebenheit aus meiner Vergangenheit erinnern konnte, von der ich ihm einst erzählte. – Mehr noch, er konnte sogar meine Schilderung dem Ort und einer Musik zuordnen.

 

Cinnamon Street. Oh ja, es gab Zimteis an einer Eisdiele in der Obstallee. Zu lesen auch hier im Blog. Interessanterweise fuhr ich vor dem Besuch schon oft durch die Obstallee. In einem Omnibussimulator. Hach, wie bekloppt diese Welt doch ist. Und vor allem, was es für Nerds gibt.

In der Altstadt Spandau schließlich klarte das Wetter auf. – Also beschlossen wir noch einmal zum Berg zurückzukehren. Und tatsächlich hatten wir mehr Glück. Auf dem Berg sahen wir zunächst Richtung Mitte, dann Richtung Altstadt, in Richtung Grunewald-Turm und schließlich Richtung Wannsee. – Auch erkannten wir die ehemalige Spähstation der Amerikaner auf dem in der Nähe befindlichen Teufelsberg.
In der Ferne konnten wir den Fernsehturm am Alexanderplatz in Mitte erkennen, und somit konnten wir tatsächlich nur die Hälfte des Ausmaßes der Stadt sehen.

dav

 

sdr

 

Abschließend gingen wir wieder hinunter und setzten unseren Weg per Auto fort. Im zweiten Versuch, das Haus von L.C. (Anm. d. Aut: Seines Lieblingsarchitektenanzufahren, waren wir erfolgreicher. Amüsanterweise kannte Cera das Haus bereits, ohne sich allerdings bewusst zu sein, von wem das Haus entworfen wurde und welche Eigenarten es deshalb hatte. Schließlich setzte ich die beiden am Zoo ab.

Er fuhr uns zu einem Haus von Le Corbusier, in jenem ich tatsächlich schon mal lungerte. Und ja, ich hatte keine Ahnung. Und das tut mir schrecklich Leid.

LC Spandau

 

Und, wie oben angesprochen, bildete der Bahnhof Zoo das Ende unserer Reise. Zuhause starrte ich mir dann unsere Bewegung auf Google an. Google zeichnete freundlicherweise unsere Route auf. Kreuz und Quer ging es durch alle möglichen Ecken Berlins. Wenn auch nicht durch alle. Immerhin ist Berlin die einzige Stadt diesen Landes.

Mir bleibt zu sagen, dass es wohl in meinem kurzen Leben das Treffen war, welches meine Synapsen am meisten stimuliert hat.

Was bleibt? Mir hat das Treffen gut gefallen. Und ich denke, dass Cera und Trotzkind eine Facette von mir mitbekamen, die vielleicht etwas lockerer und freundlicher wirkt als die Facetten, die sich im Netz zeigen.

Ich kann nur von mir sprechen. Nein, mein Verhältnis ist absolut gleich geblieben. Ich habe mir Nemesus fast genauso vorgestellt, wie ich ihn dann erlebte. Und der Chat, das Forum, das Plateau, hat mich darauf vorbereitet. Und es wird sicherlich noch weitergehen. Vielleicht, spätestens auf einem Berg, irgendwo in Staaken? Ich hoffe doch! Und vor allem, mit ganz vielen lieben Menschen, die irgendwie den Weg hierher gefunden haben, und vielleicht auch gerade diese Zeilen lesen. Hach…

Everybody knows, everybody knows
That’s how it goes
Everybody knows

Hier noch einige Facetten der aufregenden Stadt, in Form von Bildern.

sdr

Alex

Alex2

Ein paar Gedanken zu »Fight Club« (David Fincher) – Spoiler!

Hin und wieder stoße ich tatsächlich beim herumstreifen durch die (virtuelle) Welt unverhofft auf ein Stück Geistesheimat. Dann steht da zu meiner Freude sowas wie „dass das eigentliche Thema von Fight Club nicht widerständische Gewaltbereitschaft ist, sondern die Tatsache, dass man leiden muss, um zu Bewusstheit und Freiheit zu gelangen“ – der Weg des Protagonisten ist, wie der vieler Märchenhelden, kein Wochenendurlaub; die Vereinigung mit der Prinzessin (Marla), sprich die innere Ganzheit, hat seinen Preis. Aber ich fang‘ ein bisschen früher an.

Da sitzt er – ob er nun Cornelius, Rupert oder Jack heißt – im Flugzeug auf seinen Geschäftsreisen und legt uns auf dramatische Weise eine scheinbar perverse Wunschphantasie offen: Er will zuweilen einen Flugzeugabsturz erleben. Man ahnt dahinter Sehnsucht nach Ausbruch aus der dumpfen Qual seiner inneren Leere, die wie immer allerlei Süchte und Lebenssurrogate hervorbringt, mit denen er hineinzupassen scheint in die ihn umgebende Welt von sinnloser Arbeit, Fernsehshows, Ikea-Nestbau und kornblumenblauer Krawatten. Seine psychische Symptomatik aber zeigt, dass er (noch) nicht tot genug ist, um sich dieser Art Leben – das von vielen Corneliussen, Ruperts und Jacks geführt wird – ganz zu ergeben. Gleichzeitig ist da ein Ohnmachtsgefühl, sich eigenmächtig aus seinem Zustand zu befreien, und dieser Konflikt schafft eine Verzweiflung, die in seiner Wunschphantasie vom Flugzeugunglück zum Ausdruck kommt. Man hat wohl zurecht das Gefühl, dass auf diesem Gipfel der Missstandsdarstellung Tyler endlich hervorgerufen wird.

Der Geist nun, den er rief, spricht die Misere aus, die ihm auf der Zunge liegt. Mit seinem Idealismus, seiner Authentizität und Freiheit ist er gleich eine überlegene Kontrastfigur. Als Figur der Innenwelt Jacks kommt er dem Jungschen „Selbst“ nahe; sein Erscheinen ist praktisch der Beginn eines schweren Befreiungs- und Individuationsweges, in den er ausgerechnet von den edelsten Strebungen seiner Psyche geworfen wird:

– Aufgrund seiner Betäubung fügt sich Jack trotz seiner Unzufriedenheit in die Normalität. Damit hängt unter anderem sein repressives Über-Ich zusammen, das typisch ist für die vielen »Nice Guys« unserer Zeit; drei Liter Bier können ihm nicht die Hemmung nehmen, Tyler um Unterkunft zu fragen. Eine aktive, angehende Lebenshaltung erfordert freieren Umgang mit der eigenen Aggressivität und Triebhaftigkeit. Indem Tyler dazu ermutigt, an Stelle des (falschen) Gewissens eine ursprünglichere Authentizität zu setzen, gibt Jack bisher ungelebte Schattenseiten frei („Tylers Worte kamen aus meinem Mund. Und ich war mal so ein netter Kerl“). Er lernt die Achtung verlieren vor Sitten und dem allgemeinen Treiben und Trachten.

– Stattdessen kehrt er zu seinen schuttgelegten höheren Ziele zurück und lernt seinem innerpsychischen Telos zu vertrauen („Er [Tyler] hatte einen Plan und der ergab langsam einen Sinn. Tylermäßig betrachtet“).

– Tyler vernichtet sein Ikea-Nest, seinen materiellen Besitz, an den Jack seine Identität geknüpft und in der er die innere Ganzheit gesucht hat. Dadurch kommt das innere Elend (Symbol des Dreckslochs, das er dann bewohnt) zum Vorschein; denn wenn wir unsere Anhaftungen aufgeben, wird der seelische Mangel offenbar, auf denen sie kompensatorisch aufgebaut sind. Ziel ist es, sich dem Mangel, dem Leiden zu stellen, statt uns in die Sklaverei zu fügen, ewig alle möglichen Abwehrmittel aufrechterhalten zu müssen. Es geht dabei um viel mehr als Konsumismus; ob wir uns klammern an Illusionen der eigenen Wichtigkeit, Sicherheit, zukünftigen Erfolgs, Kontrolle oder an Talent, Wissen, Geschmack, – das alles muss gelöst werden durch das verinnerlichen der Realität der Vergänglichkeit, der eigenen Sterblichkeit, der Unsicherheit und Leidhaftigkeit des Lebens („Ihr seid nichts Besonderes. Ihr seid keine wunderschönen, einzigartigen Schneeflocken. Ihr seid genauso verwesende Biomasse wie alles andere. Wir sind der singende, tanzende Abschaum der Welt“). Ziel ist der „Nullpunkt“.

– Deutlich sichtbar wird im Laufe dieses Weges-ins-Innere: Jack ist, wie viele Menschen, im Grunde traumatisiert. Er fühlt sich von seiner Familie, besonders von seinem Vater, alleingelassen und abgelehnt. Er hat die lieblose Familienathmosphäre seiner Kindheit genauso wenig „hinter sich gebracht“ wie seine schwarze Wut des im Stich gelassenen Kindes.

Wie Demian weist Tyler einen Weg, der über ihn hinausgeht; zuletzt muss sich Jack auch von ihm trennen, um endlich jenen Nullpunkt zu erreichen, an dem das Feld freigeräumt ist für das Wachstum des ursprünglich in ihm angelegten Selbst. Das letzte Bild des Filmes, in dessen Zentrum sich Marla und Jack anblicken, ist das Bild der verwirklichten Ganzheit und Freiheit. Jack ist frei, ein Liebender zu sein, die Frau zu lieben, in der er bisher wie in einem Spiegel sich selbst abgelehnt hat. Die unter Explosionen einstürzenden Bauten entsprechen einem Feuerwerk.

Die narrative Tiefenstruktur in Fight Club behandelt einen heroischen Werdegang, die Darstellungsweise ist humorvoll-distanziert, leider nicht frei von Elementen  kommerzieller Filme. Mir gefällt, wie eindringlich auf unsere Zeit eingegangen wird. Eine Zeit, die voller Kapitalismus- und Gesellschaftskritik ist; aber die paar Personen, die sich auf einer echten spirituellen Suche nach Freiheit und Bewusstheit befinden, sind damit nicht selten alleine. Das rebellierende Kollektiv, mit dem sich Tyler und Jack umgeben, bilden bald wieder ein eigenes Herrschaftssystem und Gruppenkonformismus. Die einzige Wandlung findet im Protagonisten statt, kann nur im Individuum stattfinden, in der Auseinandersetzung mit dem eigenen Unbewussten. Die Einsamkeit erschwert diesen Weg. Vielleicht kann sie irgendwann abgemildert werden, wenn man auf breiterer Ebene zu einem rechten Umgang mit dem eigenen Leid findet. – Fight Club könnte manchen dazu ermutigen.

Traumhemmungen.

Wer kennt es nicht? Kleine Hemmungen, im Alltag. Wobei, Alltag hat die Funktion, einen zu Hemmen. Zumindest empfinde ich es so. Ich habe gestern wieder einige kleine Hemmungen erlebt, die ich – obwohl ich mich immer wieder selbst dafür geistig trete – gewähren lasse. Ich entschied mich gestern mein Fahrrad, welches ich aus der Werkstatt abholte, mal ein wenig zu testen. Ein Besuch in der Werkstatt war nötig, das Licht vorne war nicht mehr funktionstüchtig, und der hintere Reifen weigerte sich, Luft aufzunehmen. Ehrlich gesagt sollte das Fahrrad nach zweihundert Kilometern einen Check durchgemacht haben. Unglücklicherweise wurden es achthundert Kilometer. Wie auch immer. Ich war bis gestern der Meinung, die Gegend zu kennen. Bis ich einen neuen Weg entdeckte. In einem Nachbardorf, von der „Hauptstraße“ abzweigend. Der Wind blies mir in den Rücken, sodass ich ohne Anstrengung eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 35 km/h halten konnte. Auch der asphaltierte Weg, der sich durch die Lande zog, war perfekt. Dörfer, Wälder, alte Scheuen. Es scheint alles so zu sein, wie es bei uns auch ist. Also, eigentlich vollkommen dasselbe. Wäre da nicht diese Unbekanntheit. Diese spontanen Entscheidungen, welcher Weg nun der beste sein wird. Am Anfang der Tour wechselte mein Ziel stetig, bis ich mich irgendwann auf die nächste Eisenbahnstrecke festsetzte, die eine „Grenze“ darstellte. Und auf eben dieser Tour, waren auch wieder diese Hemmungen da. Ein metallener Schornstein einer Biogasanlage, welcher glänzende Regenbogenfarben präsentierte. Eigentlich wollte ich ihn festhalten. Jedoch war auf diese Weg eine Spaziergängergruppe, die sich dem Ort näherte. Und schon fuhr ich einfach daran vorbei. Nun, wenigstens der Geruch hatte etwas an sich. Als würde er sich mit jedem Meter ändern, von stinkend, zu angenehm, wieder zu stinkend, und dann irgendwann wieder zum normalen, als ich mich von der Anlage entfernte, und mir das erste Dorf entgegenkam.

Wenn ich die Dörfer vom Weiten sehe, und auch wenn ich in ihnen bin, stelle ich mir manchmal eine medievale, eine mittelalterliche Umgebung vor. Ich assoziiere das Mittelalter, vermischt mit Fantasyrollen als wünschenswerte Umgebung, und ertappe mich selbst immer wieder dabei, dass die unschönen Aspekte hinaus genommen werden. Aber, so eine Umgebung – Sie wäre traumhaft romantisch, nicht? Ohne all das Leid, welches leider existent war. Ich glaube, jeder der einmal The Elder Scrolls gespielt ha ,weiß wovon ich spreche. Eine Welt, die mir unglaublich genehm wäre. Wenn ich etwas empfehlen könnte, dann der dritte Teil – TES III – Morrowind. Die Insel Vvardenfell, gelegen im Osten des Kontinenten Tamriel, ist Schauplatz der Geschichte. Eine Insel, gefüllt mit Leben. Mit Historie, mit Neid und Gier, dennoch mit Liebe und Freundschaft. Jeder Charakter etwas einzigartiges, selbst die Wachtruppen, die immer wieder durch ihre geistreichen Sprüche auffallen. Der Spieler ist wie gefesselt von der Welt, und für einen Menschen wie mich ist es schwierig, sich an der Haupthandlung festzuhalten. Nein, ich erkunde lieber die Welt, und die Charaktere, die alle ihre eigenen Handlungen besitzen. Wer weiß, wie viele Stunden ich in Tamriel verbrachte, ich werde nie alles erleben können. Es passt alles, der Soundtrack, die Landschaft. Morrowind, Oblivion, Skyrim. TES III, IV, und V. Meiner Meinung nach mit die besten Spiele, die ich gespielt habe, und Morrowind war wohl das Beste von allen. Oblivion und Skyrim wurden etwas für die Massen ausgerichtet, was aber den Träumer überhaupt nicht störte. Mir bleibt nur eines zu sagen: Danke Bethesda.

 

Zurück in der Realität: Nur der Verkehr hielt mich noch in „unserer“ Welt. Und schon blickte ich auf das Dorf zurück. Ich radelte an einem abgelegenem Haus vorbei, an dem ein Kind mit einem Mann, wahrscheinlich des Kindes Vater, Holz hackte. Es blickte mich irgendwie tragisch an, als es hinter einem Baum hervorschaute. Sehnsüchte, Wünsche, Träume? Wer weiß. Ich habe meine eigenen Träume. Und irgendwie bringen mich solche Fahrradtouren näher an die Verwirklichung.

Und mein nächster Traum wird sein, meine winzigen Hemmungen zu überwinden. Angefangen mit einer Halterung am Lenker, um Musikabspielgeräte zu befestigen, die mir die Möglichkeit geben werden, während der Touren Musik zu hören. Und zwar so, dass jeder der vorbeifährt, Sie auch hören wird.

Was solls. Die Bilder entstanden, als ich meine selbst kreierte Grenze erreichte. Beim nächsten Mal werde ich diese Brücke wohl überwinden. Wer weiß, welche Geschichten sich dort hinter verstecken?

 

Unterstedt-Westerwalsede

Die Brücke, die das Kraftfeld darstellte. Die Gegend rechts gilt als unerforscht. Wer weiß für wie lange.

Holzhütte

Und hier eine stimmige Hütte, die wohl mit einigen Veränderungen gut in die Traumwelt passen würde.

Gutes Gelingen, bei was auch immer ihr schaffen werdet.

Kindheitswelten

Manchmal komme ich stark in die Verlegenheit, in eine andere Welt zu entschwinden. Von diesen anderen Welten gibt es genug, und wenn nötig benutzt man seine eigene Fantasie und kreiert seine eigene Welt.

Als Kind war es einfach. Sehr einfach. Wie oft habe ich mit Freunden – oder auch alleine – einige Modellhäuser hingestellt, die Modelleisenbahn aufgebaut, oder mit Lego einige Straßen gekennzeichnet, um dann mit einigen meiner Busnachbildungen, die sich im Laufe der Kindheit angesammelt haben, diese abzufahren, und Fahrgäste in Form von meinen Freunden, die Legofiguren repräsentierten, aufzupicken, und an ihr Ziel zu bringen. Natürlich nach einem vorgegebenen Fahrplan, der meist eine gesamte DIN A4 Seite beanspruchte. Wenn ich jetzt wieder darüber nachdenke, ich würde es heute immer noch tun, würde sich mal wieder die Gelegenheit bieten, mit einem Kind genau diese Prozedur durchzuführen. Natürlich so abgewandelt dass sie den Wünschen des Kindes entsprechen mag.

Zu Ihrer Linken eine zuverlässige Diesellokomotive aus DDR Bestand, während auf der rechten Seite ein moderner MAN Lions City die Fensterbank ziert.

Zu Ihrer Linken eine zuverlässige Diesellokomotive aus DDR Bestand, während auf der rechten Seite ein moderner MAN Lions City die Fensterbank ziert.

Jetzt frage ich mich, warum ich von mir aus nicht mehr zu diesen Dingen greife. (Abgesehen zur Modellbahn, die durchaus ab und an mal durch mein Zimmer rast.) Die Antwort liegt auf der Hand. Simulationen, Internet, all diese Dinge, die diese Fantasiewelten mehr oder weniger ultrarealistisch darstellen können, und versuchen das Gefühl der Authentizität jedermann so nah wie nur möglich zu bringen. Dennoch bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass diese Dinge die ursprüngliche Variante auf keinen Fall „abschießen“ können. Als Kind fühlte ich mich völlig in diese aufgebaute Welt eingebunden, und habe teilweise die Essensrufe der Elten überhört, da die Realität zu einem gewaltigen Desinteresse führte. Vielleicht schafft es die Virtual Reality Technik, diesem Gefühl ein bisschen näher zu kommen. Ich bin mir dennoch sicher, dass einige es ganz anders sehen, und die heutigen Computerspiele, gar schon die VR Methode, wenn sie Zugriff darauf haben, authentischer befinden als die Kindheitswelten. Und selbst diese Kindheitswelten kommen auch nicht irgendwo her. Nein, wohlmöglich von Kindheitshelden. Bei mir Alfred J Kwak, Thomas die Lokomotive, Nils Holgersson, Bär und Tiger aus Janoschs Feder, welche auch immer. Wer hat nicht einmal davon geträumt, mit seinen Helden der Zeit, Zeit zu verbringen. In ihre Welt einzutauchen, und für immer dort zu bleiben?

Und dann bleibt noch eine weitere Frage offen. Warum geht diese Fantasie irgendwann flöten, und wo ist sie hin? Ich denke, irgendwie und irgendwo schlummert sie immer in seinem Selbst. Irgendwann kommt vielleicht auch die Zeit, wo sie reaktiviert wird. Denn nur die wenigsten schaffen es tatsächlich, diesen unglaublichen Aspekt der Kindheit mit in ihr restliches Leben zu nehmen. Und es wäre durchaus schade, wenn nicht ein paar mehr Menschen darüber verfügen würden.

Oh wie schön ist Panama. Einen schönen Lebensabend noch.

Complex – BOADICEA THE VICTORIOUS

Derrida

By Pablosecca (Own work) [CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

Viele Studenten führen ein turbulentes Leben. Sie sitzen zwischen den Stühlen, zwischen WG und Campus, Lerninhalten und Jobs, zwischen Büchern und unbezahlten Rechnungen. Zeit für Freunde und/oder Selbstreflexion bleibt kaum. Die Frage: „Wie würdest Du Dich beschreiben“, ein Dauerbrenner auf Studentenparties, zeugt von Sehnsucht, aber auch vom verzweifelten Versuch, den aufgezwungenen Spagat zwischen Tiefe und Oberfläche zu meistern. Es bedarf eines gewissen Fingerspitzengefühls, darauf angemessen zu reagieren. Für Ausführliches fehlt die Zeit und eine auf Eckdaten heruntergebrochene Selbstdarstellung wäre derartig seelenlos, dass sie für alle Beteiligten zur Zeitverschwendung würde. Meine bevorzugte Antwort war deshalb stets: „Ich bin komplex.“. – Und dementsprechend groß war meine Freude, als ich ein Parfum annähernd gleichen Namens für mich entdeckte. Es war mein erstes der Marke BOADICEA THE VICTORIOUS aber bei Weitem nicht das letzte. In meinen Augen haben die Schöpfer hinter dem Label die Fähigkeit, so präzise den Archetypen eines Duftes zu treffen, dass es selbst dem Psychologen Jung imponiert hätte. – Er war es, der den Begriff „Archetyp“ in die Psychologie brachte.

Es ist meine Eigenart, zuweilen Sinneseindrücke mit Wissensfragmenten zu vermischen. Das dahinterliegende Muster habe ich bisher nicht durchschaut. So ist für mich die Architektur von Le Corbusier eng verbunden mit der Musik von Claude Debussy. Beide liegen für mich in einem blauen Farbschema, und Unendlichkeit ist für mich ein bunter, großer Lichtkreis, beleuchtete Kuppe eines Berges in der Nacht. Manchmal sind es Töne oder Tonfolgen, Bilder Düfte, in seltenen Fällen, wenn die Eindrücke besonders markant sind und mir außergewöhnlich gut gefallen, können es auch ganze Filmsequenzen sein, die sich vor meinem geistigen Auge abspielen.

Wenn „Complex“ in meine Nase strömt, habe ich sofort eine Bildsequenz in meinem Kopf. Ich „sehe“  einen meinen Helden, den Philosophen Jacques Derrida, Er kämpft sich abends stapelweise durch Archive und Druckereien, in und um Paris, im November des Jahres 1966. Grelles Neonlicht beleuchtet Regale Nikotin-vergilbter Dokumente.  – Der Geruch von frischem und altem Papier vermengt sich mit dem von noch nicht getrockneter Druckerschwärze. Die Luft ist stickig und scheint elektrostatisch aufgeladen, die lärmenden, auf Hochdruck arbeitenden, Drucker-Pressen, in den Nebenräumen der Archive, fügen Noten angebrannten Kunststoffs hinzu.  Für einen Oud-Duft ist „Complex“ auffallend trocken und wenig verspielt, insgesamt ein strenger Duft, der für mich die erforderliche Präzision andeutet, die mir gerade dann besonders erforderlich scheint, wenn man Derridas Werkzeug der Dekonstruktion zur Analyse des Kontextes nutzt.

Ich habe eine Vorliebe für außergewöhnliche Düfte, die vom Umfeld kontrovers aufgenommen werden. „Complex“ empfinde ich als Vorzeigemodell dieser Gattung. Es hat Ecken und Kanten aber ist in sich stimmig, sowohl vom Duft als auch darüber hinaus. Das Werk Derridas führte mehr oder weniger direkt zu den Gender Studies. – Es hätte nicht gepasst, wenn BOADICEA THE VICTORIOUS nicht ausschließlich Unisex-Düfte anbieten würde. – Weder zu „Complex“, noch zu der Namensgeberin der Marke, jener britannischen Königin, die sich eine erbittere Schlacht mit den Römern lieferte, irgendwann zwischen den Jahren 60 und 61 nach unserer Zeitrechnung.

„Complex“ gefällt sicher nicht jedem. Mir dafür umso mehr.

Debut au bord du Plateau.

Der Reiz der Geschwindigkeiten.

So mancher mag jetzt an Flugzeuge, Raketen, an gar Lichtgeschwindigkeit denken. Aber, mir geht es weniger um diese Art von Geschwindigkeit. Zuerst sollten wir klären, wie schnell wir uns bewegen. Die Antwort darauf ist eigentlich ganz einfach. Geschwindigkeit ist immer ein Aspekt, wie schnell man sich in Bezug zu einem anderen Objekt entfernt, einfach gesagt. Ein Zug in dem Sinne, bewegt sich einfach nur relativ zur Erde, zum Universum, und darüber hinaus.

Wir wenden uns mal fort von diesem Gedanken, und denken so einfach wie wir es täglich tun.  Vorhin absolvierte ich eine kleinere Joggingrunde, und bewegte mich mit vielleicht 12 km/h in Bezug zum 182.421. Baum der nördlichsten Ecke des Amazonas. Dabei lagen parallel zu mir die Gleise der Bahnstrecke Langwedel – Stendal, auch bekannt als Amerikalinie. Die Amerikalinie verdankt den deutschen Auswanderern ihren Namen. Auf ihr sind Jene aus östlichen Gefilden (Berlin, Magdeburg etc.) über den Columbuskaje in Bremerhaven auf die Auswandererschiffe gelangt, und haben sich auf die Reise begeben. Auf meiner Runde, verschaffte ich mir die Zeit, langte auf meine Uhr, und merkte, dass ich ein wenig zu früh dran war, um ein Foto mit Triebwagen zu erhaschen. Also, sind es welche ohne jenes Transportmittel geworden.

 

Amerikalinie gen Osten

sdr

 

Für alle, die nichts mit den gegebenen Informationen anfangen können – Diese wenigen Zahlen, die erkennbar sind, geben recht genau den aktuellen Standort wieder.  Im Hintergrund des ersten Bildes ist eine weiße Tafel zu erkennen, jene die Zahlen 83,4 beherbergt. Daraus lesen wir, wir befinden uns genau 83,4 Kilometer von Uelzen, und darüber hinaus 303,6 Kilometer von Berlin Wannsee entfernt. Die Maximalgeschwindigkeit auf diesem Streckenabschnitt liegt bei Vmax = 80 km/h. Erscheint nicht besonders viel, aber es hat nichtsdestotrotz einen gewissen Reiz, sich mit dieser Geschwindigkeit fortzubewegen, in die Bogenüberhöhung hineinkommen, wieder herausfahren, und die Landschaft vorbeiziehen zu lassen. Einen besonderen Reiz hat das ganze, wenn es regnet. Vielleicht komme ich irgendwann mal zu genaueren Impressionen, besonders wenn ich ab dem 1.9. diesen Jahres meine Ausbildung zum Fahrdienstleiter bei der Deutschen Bahn beginne.

Bis dahin versuche ich, die Leser ein wenig einzustimmen, etwas über Signale, Zugsicherung, und weiteren Bahninhalten zu beschäftigen. Von Carrés, über Sémaphores – französischen Signalbegriffen, bis hin zum Zugunglück von Eschede. Wer weiß. Themen sind reichlich vorhanden.

Ganz nebenbei, soll eigentlich der Aspekt der Umgebungsbeobachtung, und daraus folgenden anderen Themen auch eine recht große Rolle erfüllen, da selbst ich es vermutlich nicht allzu lange aushalten werde, nur über Fahrtbegriffe zu schreiben.

So geht nebenbei auch meine Joggingtour weiter, und von der Regionalbahn, die pünktlich ihren Weg nimmt, höre ich nur noch die Motorgeräusche, da ich mich schon im Wald befinde, um meine Augen auf einen blauen VW fokussiert sind. Der Feldweg, in Richtung eines Dorfes, geht am Waldrand entlang, und auf halbem Wege zum genannten Dorf zweigt nach links ein Waldweg ab. An der Abzweigung ließ ich mich dazu leiten, einige Dehnübungen zu vollziehen. Warum auch immer. Sobald fuhr auf dem Weg hinter mir dieses blaue Auto entlang. Langsam ging ich weiter, und bemerkte es etwa zwei Minuten später wieder, wie es in entgegengesetzter Richtung denselben Weg befuhr. Die blonde Frau starrte mich aus dem Auto an. Viele Gedanken mache ich mir bei so etwas nicht, eher mache ich mir Gedanken darüber, was sich diese Personen denken. Ich joggte weiter, durch den Wald, aus dem Wald heraus, und blieb an einem Bach stehen. Eine Gelegenheit, eine „Lichtmalerei“ meines neuen Smartphones auszuprobieren. Laut dem Effekt bietet diese die Möglichkeit, in einem seidenweichen Effekt die Bewegung von Wasser zu sehen.

Ist ausbaufähig.

Ist ausbaufähig.

Auf diesem Bild ist auch meine Joggingroute zu erkennen. Rechts vom Bildrand, etwas in der Ferne, befindet sich das Haus, in welchem ich mein Dasein friste. Die Wälder am südlichen und östlichen Rand (oben , links) galt es zu durchqueren. Praktisch ein Quader. Der Bach, auch als Schmohbach bekannt, folgt seinem Lauf, unterquert die Amerikalinie, etwa auf Höhe des Waldes im Süden, fließt in den Gohbach, welcher über Aller und Weser seinen Abfluss in die Nordsee findet, und so einen Weg in die Weiten der Welt offenlegt. Schon faszinierend.

Der Feldweg – Ich vergaß zu sagen, dass der östliche Wald von zwei Feldwegen umgeben ist – endet auf einem kurzen Stück Asphalt, welcher sich durch unser Dorf zieht. Einige Meter weiter begebe ich mich nach links, am Spargelhof vorbei, rechts ziehen die Kühe ihre Wege durch die Melkanlage. Der Pfad schlängelt sich um Pferdekoppeln herum, und läuft auf die Dorfstraße hinauf, die mich zu jenem Ort trägt, an dem ich diesen ersten Blogeintrag schreibe.

 

Sous un soleil qui vaut de l’or – avec la mer qui campe au loin
Poussant ses vagues au creux d’un port – très loin du canal Saint-Martin

Cruel Intentions / Kilian

Der Briefroman >>Les Liaisons dangereuses<< von Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos, Schriftsteller und Offizier, erschien erstmals im Jahr 1782, siebzehn Jahre, nachdem Richard Hennessy, ebenfalls Offizier, sein bis heute erfolgreiches Unternehmen gründete. – Allerdings war es erst sein Sohn, James Hennessy, der selbst mit der Destillation begann. Während die nächsten Generationen ihre Stellung ausbauten und so zum weltweiten Marktführer des Cognacs avancierten, setzte die fünfte Generationen neue Maßstäbe: Killian Hennessy fusionierte zunächst, in den 1970ern, mit dem Champagner-Marktführer Moët & Chandon (gegründet 1743), und ein Jahrzehnt später mit der Luxus-Koffer-Marke Louis Vuitton (gegründet 1854). So wurde die Unternehmensgruppe unter dem Kürzel LVMH (Lois Vuitton – Moët Hennessy) zum weltweit bedeutendsten Konzern für Luxusartikel zusammengefasst. Schließlich ergänzte Killian Hennessy noch einmal sein Sortiment. Hinzu kamen Luxus-Düfte der Marke „by Killian.“

Klassentreffen

Moët & Chandon(1743) Champagner, Louis Vuitton (1854) Tintenfaß, By Killian Parfum „Cruel Intentions“, Hennessy (1764) Cognac

Das Parfum „Cruel Intentions“ erschien 2007 und ist eine direkte Anspielung auf den gleichnamigen Film des Jahres 1999. Letzterer transportiert die „gefährlichen Liebschaften“ samt seinen Charakteren in die Vereinigten Staaten der 1990er Jahre, was sowohl durch den passenden Soundtrack als auch die begabten Schauspieler gelingt. Darüber hinaus wird der Adel der Vorlage im Film durch Reichtum dargestellt, der sich zum Teil in den Luxusartikeln spiegelt, von denen die Hauptfiguren umgeben sind. – Selbstverständlich handelt es sich hierbei um Produkte des Hauses LVMH.

Für mich ist „Cruel Intentions“ ein unverzichtbarer Begleiter auf Zeit geworden. Hätte ich nicht die Eigenart, meinen Duft den Situationen anzupassen, die ich in den nächsten Stunden erwarte, wäre es vielleicht mein Signatur-Duft.  Für mich stimmt an diesem Parfum alles, von den Hintergründen über die mitgelieferte „Truhe“, samt Schlüssel, bis hin zur Aufforderung „tempt me“ auf dem Flakon. Der Duft ist mystisch, stilvoll und zeitlos, Sillage und Haltbarkeit sind überragend. Das Oud kommt in keinem anderen Duft, den ich kenne, schöner zur Geltung, was nicht zuletzt an der Rose in der Kopfnote liegt. Insgesamt erscheint mir das Parfum weich und samtig, einem Hennessy-Cognac würdig,  perfekt ausbalanciert und ideal zum Schreiben von Liebesbriefen. Oud und Sytrax agieren als harmonische Verbindung aus Orient und Oxident und hinterlassen in ihrer Kombination ein internationales, weltoffenes Flair, mit verspielter Egozentrik, die sich niemals in den Vordergrund drängt. Auch wenn das Parfum für beide Geschlechter konzipiert wurde, was mir übrigens prinzipiell äußerst sympathisch ist, kann oder sollte es nicht von jedem getragen werden. – Es verlangt eine gewisse Reife, die mir in dem Wissen zu bestehen scheint, dass Leidenschaft und Tragik um jeden Preis der Gewöhnlichkeit vorzuziehen sind.

Laura Witherspoon und Ryan Phillippe  spielten nicht nur auf der Leinwand ein Liebespaar, sie wurden auch eines. Der Unterschied zwischen Vorlage und realem Leben bestand im Fehlen der Intrige, die zu Unrecht einen schlechten Ruf genießt. Im Film starb eine der beiden Figuren, doch die Schönheit blieb am Leben. In der Realität war es umgekehrt: Heirat 1999, Scheidung 2007. – Welch ein Trauerspiel.