Eine Frage der Zeit

Es ist ca. 25 Jahre her, dass ich Star Trek Next Generation sah. Von diesem Moment an wollte ich unbedingt Licht mit meiner Stimme regeln. Ich habe, über die Jahre, einige Anläufe genommen. doch die mir zur Verfügung stehende Technik war einfach nicht weit genug.

Nun ist es anders, auch wenn ich ca. 2 Tage brauchte, um die Hue 2.0 voll funktionsfähig zu machen. Es hat sich gelohnt: Einer meiner Jugendträume ging in Erfüllung.

Allerdings ist es offensichtlich ein Merkmal dieser Zeit, dass nie etwas so funktioniert, wie man es in der Anleitung lesen kann. Laut Anleitung ist es ganz einfach: Hue 2.0 zur Hue 1 ins Netzwerk stecken, die App erkennt beide Systeme, überträgt dann die Daten für die Lichtszenen und abschließend kann nun über die App bestimmt werden, welche Szenen man mit Siri steuern möchte. – Das hat so bei mir nicht funktioniert. Die Geräte wurden zwar von der Hue App erkannt, doch der Transfer scheiterte. Ich habe dann über die Hue-App die DHCP-Funktion herausgenommen, die Daten konnten so übertragen werden. Abschließend wurde ich aufgefordert, die Hue 2.0 auf Werkseinstellungen zurückzusetzen, was ich eigentlich nicht wollte. Die App hat dies jedoch nicht, wie versprochen, registriert. Also, Stecker gezogen und App getestet. Funktionierte wie vorher. – Siri auf meinem iPhone 6 eingerichtet. – Und siehe: Sprachsteuerung funktionierte. Nun versuchte ich das ganze mit meinem iPad Air 2. Das funktionierte nicht. Das Homekit war bereits belegt. Also löschte ich das ganze von meinem Handy und versuchte es nun direkt auf meinem Pad. Das hat funktioniert. – Nur leider trat diesmal das Problem mit meinem iPhone auf. Nach weiteren Versuchen zeigten schließlich beide Geräte an, dass ich sie zum Schalten nicht mehr benutzen konnte, da die Bridge von einem anderen Teilnehmer besetzt war. Hier half nur noch ein kompletter Reset.

Nun zur zeitsparenden Variante, die ich dringend empfehle: Schmeißt die Bridge 1 aus dem Netzwerk, ohne Daten übertragen zu wollen. Schließt die Bridge 2.0 ans Netzwerk an, nehmt Eurer iPhone (löscht unbedingt alle Bridge-Daten, bevor Ihr das tut) und installiert die Hue-App. Danach noch einmal die Komponenten finden. – Das klappt wesentlich besser als bei Bridge 1. – Ich habe hier ca. 10 Geräte, einige davon sind steuerbare Steckdosen. Bei Version 1 musste ich tatsächlich Telnet benutzen, um die Dinger mit der Bridge zu koppeln. Dieses Netzwerkprotokoll wurde im selben Jahr entwickelt, als die dritte Staffel von Star Trek Classic das Licht der Welt erblickte, also 1969. Glücklicherweise blieb mir diese Telnet-Nummer bei der Bridge 2.0 komplett erspart. Die App fand sofort alle 10 Komponenten meines Netzwerks. Meine Lichtszenen wurden wieder hinzugefügt, als ich mich mit dem Online-Hue-Ableger verband. Allerdings waren die nicht mehr „farbecht“, Ihr werdet also um eine Neuprogrammierung der Lichtszenen nicht herumkommen. Abschließend habe ich die App auf meinem iPhone für Siri eingerichtet und Geotracking und Uhr eingerichtet. Die Sprachsteuerung funktionierte nun per iPhone und Apple-Watch. Abschließend erlaubte ich der App, die Szenen zu teilen.
Als ich nun die App auf mein iPad lud, ging das ohne Probleme. Sie fragte mich, ob sie die geteilten Szenen übernehmen soll. – Ja bitte. Nun konnte ich auch wieder die App über das iPad steuern. Es ist allerdings gewöhnungsbedürftig, dass die Szenen, die per Stimme funktionieren, nicht angezeigt werden. – Ihr müsst sie nicht noch ein zweites Mal markieren, wie ich dachte. Stattdessen solltet Ihr Euch lieber von der Funktion Siri fernhalten. Übrigens gibt es auch eine Möglichkeit, Eure Hue Geräte mit dem PC zu steuern. Das Programm nennt sich WinHue 3 Beta. Es funktioniert, auch wenn ich es noch nicht mit der Sprachsteuerung von Win 10 getestet habe, die ich bisher als Krampf empfinde. (Eventuell könnte das Update der XBox One, welches Microsoft zum 12.11.2015 angekündigt hat, daran etwas ändern. PC und XBox One sollen die selben Win 10 Basis bekommen, weshalb ich davon ausgehe, dass Teile der XBox One auf Win 10 beeinflussen werden. – Die Sprachsteuerung arbeitet bisher auf der Konsole flüssiger.)

Wie ist also meine Bilanz?
Vor exakt 30 Jahren war der Film „Zurück in die Zukunft“ der Hit in den Kinos. Der zweite Teil zeigte das Jahr 2015 mit fliegenden Autos und Sprachsteuerung, jedoch ohne Internet. Dafür lief die Sprachsteuerung allerdings wesentlich runder.

Die Kombination Apple-Watch mit Heu Steuerung funktioniert am saubersten, sofern man nicht zufällig einen Menschen in seinen Kontakten hat, der Licht mit Nachnahmen heißt. (Ich brauchte den Kontakt sowieso nicht mehr.) Wenn alles eingerichtet ist, macht das System einen riesen Spaß. Ich gebe 5 Punkte, weil einer meiner Jugendträume erfüllt wurde. Nur finde ich es schade, dass ich 25 Jahre darauf warten musste.

30 Jahre Amiga

Vor exakt 30 Jahren stellte Andy Warhol vor, wie er Deborah Ann Harry, kurz Debbie Harry , auch bekannt als Blondie, am Amiga in Richtung PopArt entfremdete. (Jahre zuvor hatte sich bereits der Schweizer Künstler H.R. Giger dem Gesicht der Sängerin gewidmet.)

Die Amiga 500 war mein erster 16Bit Computer. er konnte 4096 Farben gleichzeitig darstellen und hatte eine damals herausragende Auflösung. Seine Soundfähigkeiten wurden unterbwertet. 4 Soundkanäle, 8Bit, Stereo, allerdings erinnere ich mich, dass findige Coder wie Sound-Guru Chris Huelsbeck 8 Soundkanäle aus seiner Amiga herauskitzelte, indem er weitere 4 Soundkanäle softwaremässig „emulierte“. – Was auch immer er damit gemeint hat, es klang verdammt gut.
Als alter Atari-User (Atari 2600 und Atari 800 XL), war ich mir ziemlich unsympathisch, weil ich zu Commodore wechselte. Allerdings wusste ich damals nicht, dass die Hardwareteams von Atari und Amiga getauscht hatten.
Mit anderen Worten:
Die selben Leute, die damals den genialen Atari 800 XL 8 Bit Homecomputer gebaut hatten, der seinem Konkurrenten, dem C64  nicht nur in Farbe und Sound weit überlegen war, hatten danach die Amiga konstruiert, die wiederum dem Atari ST haushoch überlegen wer. Das Argument, dass der Atari ST (später STE) soundmässig überlegen sei, schien mir immer etwas albern, da die vermeintliche Überlegenheit lediglich in guter Software und von Hause aus integrierter MIDI-Schnittstelle bestand. Mit letzterer konnte man die Amiga jedoch nachrüsten.

Auch bei Fehlermeldungen bewies das Amiga-Team mehr Selbstironie. Während die Atari 16-Bitter „Bomben“ anzeigte, blinkte beim Amiga ein rotes Kästchen mit der Aufschrift Guru-Meditation. Der Hintergrund: Das Amiga-Team konstruierte zeitgleich ein damals neuartiges „Eingabegerät“, eine Art „Skateboard“ als „Joystick“. Dieses Ding hat es alleine deshalb nicht zur Marktreife geschafft, weil es ein unglaubliches Geschick voraussetzte, es zu beherrschen. Wenn das Amiga-Team mal wieder vor einem Absturz saß und ihm alles zu viel wurde, setzten sich die Mitglieder auf das „Pad“ und suchten ihr Gleichgewicht, weil genau darin die Aufgabe dieses „Spielzeugs“ bestand. Die Sitzhaltung, die sie dabei einnahmen, erinnerte in der Tat an einen meditierenden Yogi. Es gab also nicht die Aussage: „Ich habe wieder ein Problem“, sondern eher:“Ich gehe ´mal meditieren.“ Ich finde das charmant.

Herzlichen Glückwunsch, Amiga!

Nach MTV nun Apple´s Beats 1

Als MTV am 01. August 1981 00:01 Uhr auf Sendung ging, hätte wohl niemand mit den Auswirkungen gerechnet. Im Nachhinein betrachtet hat MTV sehr vieles verändert, Es ist eng mit der Pop-Kultur der 1980er Jahre entwickelt, setzte neue Maßstäbe für Design und Moderation und hatte Sendungen, die man heute legendär nennen könnte. Auch wenn ich MTV seit der ersten Sekunde mitbekam, es veränderte mein Lebensgefühl erheblich. Ich hatte das Gefühl, dass es das Fernsehen befreit hätte, als ich es begann zu sehen.

Für die, die damals nicht dabei waren, oder noch einmal in Erinnerung schwelgen möchten:
Der Start
Der erste Song war damals passender Weise Video killed the radio star von den Buggles. Übrigens ist auch eine Playlist erhalten geblieben und im Netz verfügbar.

Nun, die Zeiten haben sich geändert, und obgleich ich froh bin, dass ich MTV noch als Pay-TV habe, bedaure ich schon, dass MTV nicht mehr öffentlich sendet, auch wenn ich MTV für seine Konsequenz bewundere: MTV hat das Radio verändert und das MTV halt das Free-TV. Anstatt am Alten festzuhalten, ging MTV neue Wege, mit starker Internetplattform und einem besser aufgelösten Programm im Pay-TV als je zuvor.

Seit nunmehr einer Woche ist Apple daran, eine neue Veränderung zu schaffen und ich möchte behaupten, sie wird äquivalent stark ausfallen, wie die, die einst MTV initiierte. Das Neue ist der „Radiosender“ Beats 1. – Ein Sender für eine Welt, moderiert aus Studios in Los Angeles, New York und London, 24 Stunden LIVE, 7 Tage die Woche. Erfrischender Weise gibt es weder Werbung noch Nachrichten. Ergänzt wird mit anderen Streams, die jedoch nicht moderiert werden, die Sender sind nach Genre gelistet und ebenfalls werbefrei. Es gibt sogar einen „Sender“ für Nachrichten.

Der Sendebeginn war offiziell am 30.Juni 2015, 09:00 Uhr morgens nach L.A.-Zeit. In Deutschland entspricht das 18:00. Falls Ihr die ersten Sekunden verpasst habt, könnt Ihr sie hier noch einmal hören. Der erstgespielte Song war City von Spring King.

Ich freue mich darüber, dass Apple das Radio wiederbelebt hat und hoffe, dass meine kleine „Radiosendung“ einen weiteren Beitrag dazu leisten kann.

Mein Urlaub in Sachsen

Fuck Charlie…

… scheint das heimliche Motto der Massenversammlung am Sonntag vor einer Woche am Brandenburger Tor in Berlin gewesen zu sein. Versammelt waren, neben der üblichen, orientierungslosen, Masse auch geistliche Organisationen und Politiker, um ein Zeichen für Weltoffenheit und Redefreiheit zu setzen.  Das ist, für sich genommen, schon witzig genug, wird aber umso komischer, wenn man im Hinterkopf behält, dass  weder Agnostiker noch Atheisten  expliziert eingeladen waren, die in Deutschland ca. 50% der Bevölkerung ausmachen. – Soviel dann zum Thema Weltoffenheit.

Hübsch fand ich alleine den anschließenden Kommentar des für Charlie Hebdo arbeitenden (und dies überlebenden) Cartoonisten Luz. Zitat: „Man hat’s nicht leicht, wenn man von solchen Idioten unterstützt wird wie Angela Merkel.“ (Quelle: Wikipedia)

Was bleibt, ist das hässliche Gefühl, in Deutschland ´mal wieder vollkommen falsch zu sein, irgendwo zwischen PEDIGA-Demonstranten, mit ihren idiotischen Forderungen und beängstigend kleinem Intellekt, der Doppelmoral von religiösen Institutionen / Politikern, die sich gerne im Rampenlicht sehen und einem ahnungslosen Volk.
Die Forderung nach Abschaffung des Paragraphen 166, der in Deutschland noch immer die Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen zur Straftat macht, bekundet von allen religiösen Organisationen  und Politikern, die sich am Brandenburger Tor die Füße platt standen, wäre die einzig angemessene Reaktion gewesen, der Toten von Charlie Hebdo zu gedenken.

Und die, die eine  vermeintliche Trauerfeier für ihre Zwecke ausschlachteten, sollten sich ihre, mit Bleistiften gespickten, Kränze in ihre Hintern schieben.

Je ne suis pas Charlie. Je suis Nemi. – Fuck You.

Minotaure / Paloma Picasso

minotaure

Es war der Nachmittag eines warmen, wolkenlosen Sommertages. Die leichten Wellen des Sees zauberten lebendige Lichtreflexe über das Grün der großbürgerlichen Wohnanlage in Ufernähe. Eigentlich hätte ich bereits früh morgens hier sein sollen, den kleinen Strandstreifen belagernd, mit einem Buch von Sartre im Sand. -Nicht zum Lesen. – Als Dekoration, während ich dem Müßiggang fröne und tiefen Gedanken nachhänge, von der Reife der Jugend und der tragischen Vergänglichkeit des Schönen und Mühelosen.

Stattdessen leistete ich, wie jeden Tag im Sommer 1997, meinen Zivildienst; overdressed, mit Designer-Sonnenbrille, einheitlich schwarzer Kleidung und Minotaure auf meiner Haut. Der Duft von Bergamotte war nicht zu aufdringlich und dennoch im gesamten Fahrzeug wahrnehmbar. – Ich beförderte Menschen, mit körperlichen Gebrechen, begleitete sie meist von Sozialbau zum Krankenhaus und zurück. Dieses Mal jedoch zeugte die Adresse von einem gewissen Niveau und auch mein, per Funk, durchgegebenesZiel, die Berliner Philharmonie, stimmte mich erwartungsvoll. Eine ältere Frau in tadelloser Abendgarderobe mit Gipsbein humpelte lächelnd auf mich zu. Ich sprang aus dem Auto, begrüßte, sie, öffnete ihr die Tür, schloss diese hinter ihr und stieg wieder ein.  Beim Losfahren beäugte ich sie im Rückspiegel. Ihre extravagante Sonnenbrille forderte es geradezu heraus, sie mit meinem, selbst für meine Verhältnisse, geschwollensten Deutsch anzusprechen.

„Meine Dame, ich komme nicht umhin, Ihnen ein Kompliment für ihre bemerkenswerte Sonnenbrille zu machen.“
„Dankeschön. Sie ist von Paloma Picasso.“
„Von Paloma Picasso ist das Parfum, dass ich heute trage.“
Stille. – Ein oder zwei Minuten verstrichen, bis sie das Wort ergriff:
„Ihre Sonnenbrille ist aber auch sehr schön.“
„Vielen Dank. Sie ist von Donna Karan.“
„Von Donna Karan trage ich heute mein Parfum.“

Obgleich es eine größere Strecke von den Berliner Außenbezirken in die Innenstadt ist, verging die Fahrt wie im Flug. Wir redeten über mein Ziel, Autor einer eigenen Zeitschrift zu werden und über ihre Vorliebe für klassische Musik, die sie gleich mit ihrer Freundin im Konzert teilen würde, trotz verstauchten Fußes. Sie verabschiedete sich mit den Worten, dass sie sich freuen würde, von mir in der Presse zu lesen. Ich sah sie niemals wieder.

Minotaure ist seitdem fester Bestandteil meiner Sammlung. Hätte Dorian Grey eine Verabredung mit Lolita, er würde Minotaure tragen. Kein Parfum, mit dem ich je Bekanntschaft gemacht habe, assoziiere ich so sehr mit jugendlicher Reife, samtig-pudriger Frische und zeitloser Klasse. – Einzig vergleichbar, mit dem Genuss von Marc De Muscat auf einer Terrasse in freundschaftlicher Gesellschaft unter dem nächtlichen Sternenhimmel.