Kategorie-Archiv: Beyond Rainbows

Verhaltener Anlauf

Manchmal, es ist gar nicht so selten, während einer längeren Autofahrt oder besonders stupider Arbeit, meldet sich meine innere Stimme. Sie räuspert sich, möchte das Wort ergreifen und bringt doch nichts als Gestammel hervor. Wenn ich dann die Autofahrt oder die Arbeit hinter mich gebracht habe und mich in der Absicht, die aufgeschnappten Fragmente auf virtuellem Papier zu ordnen, vor meinem PC wiederfinde, fühle ich mich matt.

Eigentlich wundert es mich nicht; es gibt mehr Gründe zu schweigen als zu reden. Wer möchte schon die Stimme seines Herzens bemühen, im Wissen, dass alle Zuhörer längst gegangen sind? Und,  falls noch einer übrig ist, wer möchte Gefahr laufen, ihn zu vergraulen? Ich fürchte, gegen emotionales Stottern helfen Herzschrittmacher genauso wenig, wie Rheumadecken gegen erkaltete Leidenschaft.

Mein Resumé: Wenn Kämpfe gegen Windmühlen mit Worten geschildert werden können, dann ist es vielleicht auch möglich, sie mit einer Feder zu gewinnen. Sollte ich mich irren, bleiben mir noch immer Facebook und Twitter.

Blütenkrieg

Es herrscht Krieg, weitgehend unerwähnt von Geschichtsbüchern und Massenmedien. Er schlängelt sich durch die Jahrtausende und Kontinente, subtiler als seine Kameraden, die „konventionellen“ Kriege mit ihren angeblich „bekannten“ Ursachen. Die Fronten sind so undurchsichtig, dass die Soldaten und Generäle der einzelnen Parteien oft weder ahnen, dass sie im Einsatz sind, noch, für welche Seite sie kämpfen oder dass ein Krieg überhaupt existiert. Weder die Kriegsgebiete noch strategische Ziele sind klar umrissen. Der Kampfstil ist asymmetrisch, das größte Schlachtfeld der menschliche Verstand.

Marquis De Sade, zu Zeiten der französischen Revolution, Oscar Wilde im viktorianischen England und später Vladimir Nabokov gelten als bekannte Schriftsteller. Für mich sind sie mit Federn bewaffnete Ein-Mann-Armeen, die auf der richtigen Seite kämpften und trotz ihrer kriegerischen Erfolge teilweise hohe Preise zahlten. De Sade wurde zum Tode verurteilt, und auch wenn das Urteil aufgehoben wurde, befand er sich Jahre seines Lebens in Gefangenschaft. Von der Zwangsarbeit im Zuchthaus hat sich Wilde gesundheitlich nie erholt. Er starb in armseligen Verhältnissen. Nabokov hatte, seinem Lebenslauf nach, mehr Glück. – Er befand sich „nur“ zwei Mal im Exil

Um 520 nach unserer Zeitrechnung, in Korea, entstand der Begriff „Wharang“, der durchaus verschieden übersetzt werden kann. Ich übersetze ihn mit >>Blüte der Jugend<< und verwende den Begriff, frei vom „koreanisch-historischen“ Kontext.

Die Blüte der Jugend, genau darum scheint es mir in diesem Krieg zu gehen. De Sade, Wilde und Nabokov, stehen für einen Teil der Bewahrer der Blüte.
Mit ihren Romanfiguren Justine und Juliette, Dorian Gray und Lolita beschreiben sie treffend den Schwebezustand der Adoleszenz, der sich einstellt, wenn der hormonelle Treibstoff der Pubertät noch nicht aufgebraucht ist, und das schleichende Gift, welches in der Kindheit verabreicht wurde, und dessen Schäden oft erst nach dem 21. Lebensjahr offensichtlich werden, noch keine Spuren von Misshandlungen zeigt.

Die Gegenbewegung gleicht einer Hydra mit unzähligen Köpfen. – Es sind keine klugen Köpfe aber es sind viele. Sie sind „gewöhnlich“ und handeln „gewöhnlich unbewusst“. Sie hatten nie etwas von der Schönheit der Blüte der Jugend oder haben das wenige, was sie einst hatten, längst verloren. Weil sie ihr Spiegelbild nur schwer ertragen können, ganz besonders schwer in Anwesenheit von Schönheit, trachten sie danach, die Blüte zu zerstören. Viele von ihnen treten als Eltern auf, manche als Staatsdiener oder Priester. – Selbstverständlich nur mit besten Absichten.

Die Psychoanalytiker Wilhelm Reich und Alice Miller haben, unabhängig voneinander, diverse Mechanismen „meiner“ Hydra untersucht. Die Anfeindungen, mit denen sie Zeit ihres Lebens zu kämpfen hatten, verwundern mich nicht. Alleine die Bücher Wilhelm Reichs wurden zu zwei Zeitpunkten offiziell verbrannt, zuerst um 1933 von den Nationalsozialisten, rund 20 Jahre später von der FDA (Food and Drug Administration) in den USA. Im Fall De Sades war es übrigens der eigene Sohn, der sein letztes Werk vernichtete. – Zensur ist ein äußerst beliebtes Mittel „meiner“ Hydra.

Rück- und Ausblick

Als ich vor einigen Jahren an der TU-Berlin ein Seminar über Rousseaus Buch  >>Emile oder über die Erziehung<< besuchte, war ich sehr vom Dozenten angetan. – Er hätte sein direkter Nachfahre sein können und beschrieb Rousseau stets als Philosophen, der Zeit seines Lebens unter “intellektuellen Bauchschmerzen” litt.

Ich muss gestehen, dass ich derartige Bauchschmerzen zuletzt vor acht Tagen auch wieder bekam, als ich eine Nacht lang mit mir gerungen hatte, inwiefern ich es vertreten könne, mich in “sozialen Netzwerken” anzumelden. Am Ende siegte meine Angst, als Relikt der Vergangenheit zu enden. – Also registrierte ich mich innerhalb zwei Stunden bei Facebook, MySpace, YouTube, StudiVZ, Twitter, Last FM, Jamendo und Lokalisten.de, verschaffte mir einen Google-Talk-Account und fügte meinem Multi-Messenger  >>Trillian Astra<< die Connections für Facebook, MySpace, Google-Talk und Twitter hinzu. Anschließend lud ich mir noch separate Apps für Twitter und Last FM auf mein iPhone, Trillian hatte ich schon zuvor auf meinem Handy installiert, genauso wie Apps für meine Foren, meine Blogs und meinen IRC-Chat. Anschließend “outete” ich mich in meinem Forum und ging duschen.

Seitdem fühle ich mich so vernetzt, dass ich es selbst kaum ertragen kann. Mit dem Fertigstellen meiner Profile zögerte ich genauso, wie mit meinem ersten “Tweet”, über den ich noch immer nachdenke.

Ich habe meine Spuren verwischt, zwar “kennen”  jetzt sämtlichen Netzwerke meinen “Realname”, doch erlaubte ich weder den Netzwerken, nach meinen “Freunden” per Postfach zu suchen, noch schrieb ich in irgendeines meiner Profile die URL des Plateau. Allerdings gab ich meist diesen Blog als meine Webseite  an. Wer das Plateau finden will, möge sich durch meinen Blog durcharbeiten und Google bemühen. – In all den “sozialen Netzwerken” komme ich mir schon alleine genug vor, es wäre einer meiner Albträume, eine Vielzahl der User im Plateau zu sehen. – Ich suche und suchte nach den Nano-Stiften  im Heu-Meer. Vielleicht kann ich Twitter und Co zweckentfremden, zum viralen Magneten ausbauen.

Bei aller “multimedialer” Überfrachtung, die ich mir in dieser Zeit antue, hoffe ich inständig, dass mir meine Besonderheiten nicht verloren gehen. Was hat schon ein Mensch in “sozialen Netzwerken” zu suchen, der Oscar Wildes Ängste vor Gewöhnlichkeit und Alter teilt, und sich bemüht, die Schönheit von Menschen zu sehen, wie es bisher nur O. Henry verstand? Vielleicht fühle ich mich wohler, wenn ich Antworten auf diese Frage gefunden habe.

Sie haben den Prinzen getötet

Zu Beginn dieses Monats war ich optimistisch. Neuerscheinungen machten mir Hoffnung auf gute Unterhaltung. Leider wurden diese Hoffnungen nicht erfüllt. Was ich an der Sands of Time Trilogie schätzte, war eine komplexe, fesselnde Handlung und eine in sich schlüssige Architektur, vor allem aber das Reifen des Prinzen vom Jugendlichen zum fairen und großmütigen Herrscher in einer märchenhaft dichten Atmosphäre. Der neue Prinz ist muskelbepackter, dafür weniger clever. Die Eleganz im Kampf und die meditative Suche nach Auswegen wich einem Gemetzel mit Gegnern, die keine Sekunde Angst verursachen. Im neuen Spiel gibt es einige Features, die ich mochte, zum Beispiel die Fähigkeit, sich an alte Gebäudeabschnitte zu erinnern, um diese zu begehen oder die Fähigkeit, Wasser einzufrieren, um beispielsweise Wasserfälle als Wand zu nutzen. Anderes dagegen stößt mich ab. Um zu gesunden, muss der neue Prinz Fässer zerschlagen, anstatt Wasser zu trinken, die Möglichkeit, die Kamera frei zu schwenken, um verborgene Pfade zu entdecken,  wurde stark eingeschränkt, ebenso wie die Fähigkeit, die Zeit für Gegner zu verlangsamen . So ist es nahezu unmöglich, sich in den Gängen der Paläste zu verlaufen.

Auch der Film entsprach nicht dem, was ich gerne gesehen hätte. Die Vorlage der drei Spiele der Sands of Time Reihe hätte wirklich vollständig gereicht, einen hervorragenden Film zu produzieren. Sogar die Einleitung vom ersten Teil hätte Wort für Wort übernommen werden können. Stattdessen wurde ein neues, wesentlich schlechteres Drehbuch geschrieben.

Nachdem ich genug Menschen sah, die mit fortschreitendem Alter immer seelenloser wurden, verfallen nun auch die Dinge, die mir einst Hoffnung schenkten, dass das Ausbleiben des Menschlichen bei Menschen, was ich immer mehr wahrnehme,  nur ein kurzer Zwischenzustand sei.

Eines noch: In den alten Spielen konnte man seine Gegner tatsächlich verstehen, wenn man sich Mühe gab. So sprach der Wächter der Zeit rückwärts, woraus folgte, dass man im richtigen Moment die Zeit “zurückspulen” musste, um seine Worten zu erfassen. Die Idee, Gegner und Verbündete mit einer Phantasie-Sprache auszustatten und/oder ihnen einen albernen Dialekt zu geben, halte ich, was den Prinzen angeht, für alles andere als gelungen.

Gestern, unter der Dusche

Nach einigen Technik-Upgrades bin ich nicht nur stolzer Besitzer eines BluRay-Players, ich verfüge auch über einen weiteren Computer. – Die idealen Ergänzungen für meinen neuen Monitor, den ich nun per Tastendruck auf PC1, PC2 oder Player umstelle. So kann ich mit PC1 im Netz surfen, zu  PC2 springen, der eine DVD abspielt oder auf Kanal3, der den Inhalt einer BluRay wiedergibt.

Während ich mich zuvor in der multimedialen Epoche wähnte, wurden “Sprünge in High Definition” zum Teil meines neuen Lebensgefühls. Mit HD sehe ich tatsächlich schärfer. Genau deshalb verspüre ich den Wunsch, Inhalte aus anderen Einträgen kurz abzuschließen: Das Blog-Update, von dem ich hoffte, es würde mich unterhalten, scheint sich zu verzögern. Der Release-Termin steht in den Sternen. Die DVD-Season Dr. House kaufte ich tatsächlich. Hätte ich meine HD-Erfahrungen schon vorher gemacht, hätte ich sie in den Regalen des Mediamarktes stehen lassen. – Wenigstens bin ich davon abgekommen, Monk oder beliebige andere Serien / Filme auf DVD kaufen zu wollen. Meine DVD-Sammlung erkläre ich für abgeschlossen. In Zukunft werde ich nur noch Filmmaterial in HD-Qualität kaufen, unabhängig davon, ob es auf BluRay oder als File bei iTunes angeboten wird. Den “Kino-Geschenkgutschein” habe ich auf die Reise geschickt, er dürfte vor einigen Tagen angekommen sein. Für mein morgiges Kino-Happening werde ich gut vorbereitet sein. Gestern lud ich mir den Soundtrack auf einen meiner iPods, heute werde ich meinen Friseur einen Besuch abstatten, übermorgen werde ich das Spiel zugeschickt bekommen haben. Und sollte ich mich bis dahin  langweilen, kann ich mich immer noch mit House-Folgen oder Star Trek 11 auf BluRay vergnügen. – Es ist wahr: Selbst inhaltsleere Filme erstrahlen mittels HD in neuem Glanz!

In Anbetracht meiner letzten Erfahrungen trenne ich mich vorerst von dem Wunsch, ein Buch zu schreiben. Vielleicht schreibe ich eines, vielleicht belasse ich es bei meinen Blogs. Dieser Gedanke kam mir gestern, unter der Dusche, kurz nachdem ich drei User aus meinem Forum zum Teufel gejagt habe. – Was soll ich mit dem ganzen menschlichen Ballast? Es wirkt selbst sonderbar auf mich, aber im Moment fühle ich mich befreit. So höre ich den letzten Song meines Soundtracks, ein Titel von Alanis Morissette, und ohne es näher ausführen zu wollen, ich kann mir keinen Künstler für den letzten Song vorstellen, der mir mehr Vergnügen bereitet.

Die hohe Kunst, lebendig zu sein

Die letzte Woche begann mit einem traurigen Abschied. – Der Röhrenmonitor, der mir erlaubte, im Winter die Heizung aus zu lassen, gab den Geist auf. Vielleicht erscheint es lächerlich, einem alten Monitor nachzuweinen. Aber ich habe mindestens drei gute Gründe, es dennoch zu tun: Zum einen war es ein Geschenk von einer liebenswert seltsamen Freundin, die ich leider viel zu selten sehe. Zum anderen handelte es sich um einen echten >>Silicon Graphics<<. Diese Firma löst in mir vermutlich ähnliche Gefühle aus, wie ein Ferrari bei Autoliebhabern. Silicon Graphics stellte in den 1980ern Workstations her, die schnellsten, der damaligen Zeit. Die Prozessoren erhitzten sich so stark, dass ausgefeilte Kühlmechanismen notwendig wurden, die die Firma selbst entwickelte. Der Legende nach, veranlasste dies einen Mitarbeiter, vorzugeben, bei einer Firma für Kühlschränke zu arbeiten. Dieses Statement war so “cool”, dass viele Mitarbeiter es benutzten, immer wenn sie nach ihrem Job gefragt wurden.

Zu meinem neuen Full-HD-Monitor ist mir leider keine schöne Geschichte geläufig, dafür erinnert er mich an meinen dritten und besten Grund, meinem alten Monitor nachzuweinen:  Weil ich es noch kann!

Die 100 Telefonate, die ich auf der Suche nach Arbeit führte, sorgten bei mir für für weiteren “seelischen Trubel”, doch kann ich der Aussage: “Leben ist Bewegung” nicht zustimmen. Ich habe immer mehr den Eindruck, dass es bis jetzt nur wenige Phasen gab, in denen ich mich wirklich lebendig fühlte. Sie waren eng verflochten, mit anderen, lebendigen Menschen, die mich in diesen Phasen begleiteten. Mir scheint, diese Lebendigkeit ist ihnen noch viel mehr verlorenen gegangen als mir. Sie hätten gewissen Dingen früher auch hinterher trauern können, doch traue ich ihnen das in dieser Zeit nicht mehr zu. Lebendig sein heißt bewegt werden können. Es bleibt denen vorbehalten, die lieber Niederlagen einstecken, als Möglichkeiten zu umgehen, in der Angst, sie könnten zu Niederlagen werden.

Mein Briefpapier und meine Visitenkarten brauchte ich Anfang der Woche auf, am Donnerstag vollführte ich einen regelrechten Telefon-Marathon.  Ich bekam einen Korb nach dem anderen, und dennoch war es mein drittletzter Kontakt, der mir eine Chance gab. -
Die “vergeigte” ich dann einen Tag später. Sicher wird es dabei nicht bleiben. Aber solange ich weitermache, lerne ich. Und irgendwann wird mir mein Lernen zum Erfolg verhelfen.

Vermutlich klingt das sehr esoterisch. – Aber so ist es nicht gemeint. Nach meinem gescheiterten Termin hätte ich mich am liebsten verkrochen. Ich tat es nicht, stattdessen griff ich nach weiteren Möglichkeiten, die ein Gewinn oder ein Scheitern nach sich ziehen können. Zunächst ging ich ins Kino. Ich fragte nach einer Eintrittskarte für >>Prince of Persia<<, obgleich der Film erst am 20. Mai erscheinen wird. Ich war der vierte Person, die sich danach erkundigte und bekam so eine Karte für die Vorpremiere am 19. dieses Monats. Als nächstes kaufte ich einen Geschenkgutschein. Ich werde ihn in dieser Woche auf die Reise schicken, hin zu jemanden, der mit mir nicht ins Kino wollte. – Soll sie sich doch einen beliebigen Film alleine ansehen. – Meinen Segen hat sie.
Und dann war da noch die Druckerei meines Vertrauens. Ich rief an, um mich nach den aktuellen Preisen zu erkundigen. Die Dokumente, die ich benötigte, sind jedoch wesentlich teurer, als ich es mir momentan leisten kann. – Immerhin bezahlte ich gerade einen Monitor und ein neuer Auftrag ist noch nicht in Sicht. Also sagte ich, ich würde mich melden, wenn ich das Geld zusammen hätte, wohlgemerkt im Wissen, dass ich ohne Werbung keine Chance auf neue Aufträge hätte. Das Unerwartete ließ nicht lange auf sich warten: Anstatt mir einen schönen Tag zu wünschen, bot mir mein Gesprächspartner an, meine Drucksachen anzufertigen, das Geld dafür würde er mir solange auslegen. Früher hätte mich meine Angst, jemandem finanziell zu schaden, übermannt. Ich kann nicht sagen, dass ich heute frei von ihr wäre aber es scheint, als hätte ich in kurzer Zeit gelernt, mich mehr auf mich zu verlassen.  – Ich bin sicher, ich werde ihm sein Geld bald zurückgeben.

Die Schattenwelt

Ich hatte mir vorgenommen, zu dokumentieren, was ich erlebe. Schön, das tue ich auch: In den letzten zehn Tagen schickte ich über 100 Schreiben an potentielle Kunden. Anschließend begann ich, die ganzen Leute, denen ich geschrieben hatte, anzurufen. Bisher führte ich 30 Telefonate, 2 Kontakte schienen ernstlich interessiert und allgemein kann ich sagen, dass die Resonanz weit freundlicher ausfiel als ich erwartet hatte.  Einige meiner Ansprechpartner erreichte ich noch nicht persönlich. – Ich werde sie in der nächsten Woche anrufen, zusammen mit den restlichen 70. Für das Telefonieren werde ich noch ein oder zwei Tage benötigen, danach werde ich zur “neuen Routine” übergehen, wieder vom Telefonbuch Namen und Anschriften abtippen, wieder Serienbriefe drucken und diese “eintüten”. – Der Gang zum Briefkasten als Abschluss eines neuen Rituals. – Ernsthaft: Ich lese meine “Dokumentation” und finde in ihr nichts interessantes. Vielleicht sollte ich dieses Gefühl ignorieren und mich in den nächsten Zeilen darüber auslassen, wie ich täglich, einmal morgens, einmal nachts nach Updates für die Anwendungen meiner Internetprojekte suche und diese, sofern welche verfügbar sind, installiere. Wahrscheinlich ist es besser, es beim Erwähnen meines Update-Wahns zu belassen, nicht näher  ins Detail zu gehen und stattdessen zu beschreiben, was mich wirklich berührt. – Das könnte allerdings in der gegenwärtigen Situation ziemlich schwierig werden. Dabei hatte ich mich eigentlich auf Monat Mai gefreut. Ich habe mir vorgenommen, meine DVD-Sammlung um vier Seasons Monk und eine Season Dr. House zu erweitern, damit hätte ich alles verfügbare Material dieser beiden Serien. – Nur habe ich überhaupt keine Lust, sie zu sehen.

Des weiteren wurde ein umfangreiches Update der Blog-Software, die ich nutze, zum 15. hin angekündigt. Gleichzeitig soll eine kompatible Version eines sehr vielversprechenden PlugIns erscheinen, welches ich im Moment teste. Ich würde lügen, gäbe ich vor, nicht sehr neugierig zu sein.

Und dann wäre da noch der 20. Mai. Vermutlich werde ich pünktlich um 10:00 den nächsten Mediamarkt stürmen, die Special-Edition der XBox360er Version von >>Prince of Persia<< an mich reißen und solange spielen, bis ich in die Spätvorstellung des gleichnamigen Films renne, der ebenfalls am 20. Mai erscheint. – Danach werde ich mich erneut an die Konsole setzen und das Spiel durchspielen.

Mein Fazit: Ich werde in diesem Monat sehr beschäftigt sein. Wenn alles gut läuft, erhalte ich ein oder zwei Aufträge, deren Bearbeitung ich wesentlich spannender fände als den Konsum von Monk- oder House-Episoden. Sollte ich wider Erwarten weniger zu tun haben, werde ich wenigstens gut unterhalten sein. Und dennoch ist das, was mich wirklich bewegt, nichts als der Mangel am Bewegt-Werden. In meinem bisherigen Leben gab es nicht viele Menschen, die das für mich tun konnten, nun stelle ich fest, dass es immer weniger werden. Das ist sicher ziemlich ernüchternd, aber gleichzeitig ist es motivierend, mein Tagebuch weiterzuschreiben. Wenn andere mich nicht erfüllen können, weil sie sich selbst in eine Schattenwelt manövrierten, die alles andere als glänzend ist, so möchte ich mich ihr nicht ergeben.

>>My Way<<

Manche Leute wollen nach China, manche rennen so schnell durch Berlin, dass es nur noch für ein oder zwei Worte zwischen Tür und Angel reicht, und manche reden zuviel und tun zu wenig. In den letzten Wochen brütete ich über ein Werbeschreiben für meine Firma. Trotz Unterstützung vom Plateau fiel es mir sehr schwer, es so zu formulieren, dass ich beim Lesen keinen Hautausschlag bekam. Meine Werbung sollte innovativ aber nicht durchgeknallt, einladend aber nicht aufdringlich sein. Inwiefern sie erfolgreich ist, darüber kann ich noch nichts sagen. Gestern schickte ich die ersten 20 Schreiben auf die Reise. Am Montag werden die nächsten 10 folgen. Aber zumindest kann ich schon jetzt sagen, dass ich meine “Seele” nicht verkauft habe. Ich schreibe diesen Eintrag, höre meinen Sinatra-Song und stelle zufrieden fest, wie weise doch die Lyrics sind. Ich fühle mich gut und glaube, dass ich wieder eine Etappe auf dem Weg zu meinen Zielen gelaufen bin.  Bisher hatte ich stets das Gefühl, EN wäre mein “benachteiligtes Stiefkind”, viel wichtiger seien mir das Plateau und Beyond Rainbows. Endlich kann EN auch emotional bei mir punkten, eine große Erleichterung für mich. Und wenn ich den daraus resultierenden Elan nicht verliere, kann ich mich vielleicht wieder dazu durchringen, neuen alten Freizeitaktivitäten nachzugehen. – Ein Planschbecken Sport, eine Tasse  Meditation, und ein Paar Quanten Wissenschaft wären ganz nach meinem Geschmack. Ansonsten bin ich dabei, die erste Druckversion von Trivial, der bisher nur virtuellen Zeitschrift des Plateaus, vorzubereiten. Ich bin gespannt, wie lange ich bis zum Druck brauche.

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Zwischen den Stühlen

In den letzten Tagen formulierte ich Schreiben für meine Firma. Noch bin ich nicht mit ihnen zufrieden. Genau genommen bin ich mit nichts zufrieden. Es wäre viel leichter, wenn ich, wenn schon nicht mit der Welt, wenigstens mit mir im Reinen sein könnte.  Aber wie könnte ich das, ohne mich selbst zu belügen. Ob es einen Menschen gibt, der mit sich zufrieden und dennoch nicht unaufrichtig sein kann? Vielleicht, doch ich habe nie einen gesehen. Es ist keine Kunst, Geld zu verdienen, in einer Beziehung zu leben, die Vergangenheit zu behandeln, als wäre sie niemals geschehen oder regelmäßig zum Sport zu gehen. Es wäre eine Kunst, sich dabei nicht zu verhalten, wie ein Geisteskranker in einer Horde Trotteln.

In zwei Monaten wird ein Kinofilm erscheinen, der mir etwas bedeutet. Soviel, wie noch kein Film zuvor. Als meine “Exfreundin” heute in meiner “Freundesliste” aufblinkte, ergriff ich meine vermeintliche Gelegenheit, und fragte, ob sie ihn mit mir sehen würde.  Die Bedenkzeit betrug nur wenige Sekunden, die Antwort war “Nein”.

Hätte mich jemand aus meiner Vergangenheit gefragt, hätte ich anders reagiert. Vielleicht hätte ich gefragt, warum meinem Gegenüber der Film so wichtig oder meine Anwesenheit ausgerechnet für diesen Film erwünscht sei. Auch hätte ich gerne erfahren, welchen Grund mein Gesprächspartner hat, mich nach einer Ewigkeit ausgerechnet heute anzusprechen. Doch das einzige, was ich nach dem obligatorischen “Nein” erhielt, war Schweigen. Wenige Minuten später meldete sie sich aus ihrem Onlinedienst ab, um sich kurz darauf wieder anzumelden, so als ob ich nie eine Frage gestellt hätte.

Ob mich dieses Verhalten verwundert? Nein, das tut es nicht. Es ist betäubend normal. Vermutlich hätten sehr viele Menschen gleich reagiert. Das wirklich Schockierende ist, dass es gar nicht mehr auffällt, wie abscheulich die Normalität ist. In einer anderen Zeit hätten sie es bemerkt. In einer anderen Zeit hätten sie dieses Verhalten bei ihren Eltern, die es vorlebten, kritisiert. Nun gehören sie selbst dazu, bereit, den Wahnsinn in die nächste Generation zu verschleppen.

Die Vorstellung, ich könnte in anderen Bereichen genauso stumpf sein, ängstigt mich. Aber irgendwann, so meine Hoffnung, werde ich wissen, dass ich weit genug gegangen bin, um nicht mehr dem Sog der Norm erliegen zu können.

Der Glücksjäger

Als ich meinen letzten Eintrag geschrieben hatte, hoffte ich eigentlich gleich darauf weiterschreiben zu können. Leider stoppte mich eine Erkältung. Jetzt geht es mir zwar wieder besser aber der Eintrag ist bereits zu weit in die Ferne gerutscht, als dass ich dort ansetzen könnte.

Wenigstens konnte ich einen Teil der Zeit nutzen, um weiter über mich und meine Projekte nachzudenken. Ich suchte nach Ähnlichkeiten, einem wiederkehrenden Muster. Dabei stellte ich fest, dass ich zwei meiner drei Projekte aus tiefen Liebeskummer heraus begann. Allen gemein ist, dass es stets Verzweiflung war, die mich antrieb. Früher glaubte ich, gewisse Schwächen des menschlichen Hirns ausmachen zu können, zum Beispiel, wenn ich Menschen sah, denen ich einst sehr viel zutraute, und bei denen, aus meiner Perspektive, heute kaum noch etwas liebenswertes zu bemerken ist. Heute denke ich, dass das, was ich sah,  in Wirklichkeit ein äußerst ausgeklügelter Schutzmechanismus ist. Es ist eine Form der Anpassung, die ein besseres Befinden selbst in hässlichen Umfeldern erlaubt. Dieser Mechanismus hat unzählige Nebenwirkungen. Der Witz ist, dass sie von niemandem, bei dem der Schutzmechanismus aktiv ist,  mehr bewusst erfasst werden können. Im Moment glaube ich, dass der Schutzmechanismus bei den meisten Menschen erstmalig ausgelöst wird, wenn sie mit überwältigender Perspektivlosigkeit konfrontiert werden. Warum das bei mir nicht oder nur eingeschränkt wirkte, ist mir bis heute ein Rätsel. – Vielleicht ist es ein Zusammenspiel unzähliger, kleiner Faktoren. Vielleicht sind es Momente  der Schönheit, die ich erlebte, und mein Wille, die Erinnerungen an sie um keinen Preis der Welt aufzugeben.

Vielleicht habe ich den Eindruck, damals einen Vorgeschmack auf paradiesische Zustände bekommen zu haben. Kombiniert mit meiner Eigenart, genormtes Denken in Frage zu stellen, könnte es bedeuten, dass ich die Aussagen meiner Mitmenschen, Glück sei nie von Dauer, nicht akzeptierte.

Ich muss eingestehen, dass ich mir in dieser Rolle nicht schlecht gefalle. Während andere auf ein neues Auto sparen oder überlegen, wie sie aus ihren Beziehungen entkommen, für die sie selbst sorgten, bin ich damit beschäftigt, ein Paradies zu erbauen.

Doch welche Komponenten werden dazu benötigt? Ein Ort mit neuen Strukturen. – Sogar die Architektur müsste sich grob von allem bisherigen unterscheiden. Menschen mit neuem Bewusstsein. Geld als Aktivierungsenergie. Tatsächlich würden meine drei Projekte die genannten Komponenten abdecken. – Vorausgesetzt, sie würden auch funktionieren. Und genau das tun sie im Moment leider noch nicht.

Beyond-Rainbows soll in einem Buch enden, zu dem ich im Moment nicht fähig bin. Das Plateau soll letztendlich die paradiesischen Zustände etablieren, ist jedoch noch weit davon entfernt. Und EN, meine Internetfirma, soll mir das notwendige Geld verschaffen, um nach meinen Vorstellungen zu leben und die beiden anderen Projekte zum Erfolg zu führen. Letzteres arbeitet auch noch nicht, wie ich es mir wünsche. Es wird immer mehr zu meiner Überzeugung, dass ich den Schlüssel in mir herumdrehen muss. Erst danach werde ich den gewünschten Erfolg in meinen drei Projekten bekommen. Dieser Schlüssel ist Bewusstmachung. Zum Teil besteht letztere aus der Fähigkeit, den Wahnsinn, mit dem ich täglich konfrontiert bin, in Echtzeit zu erkennen, und nicht mehr zuzulassen.

Ich habe beim Verfassen dieses Blogs eine kleine Pause gemacht. Ich wollte etwas essen und schaltete für die Dauer kurz den Fernseher ein. Ich zappte in eine Sendung, die sich “FrauTV” schimpft. Eine Moderatorin verkündete aus ihrem Bad heraus stolz, dass sie sowohl eine Familie als auch einen Job habe, und dass ihre Badewanne der einzige Ort sei, an dem sie sich für 20 Minuten zurückziehen könne, wenn ihre Familie zu Hause sei. Ich finde es unerhört, dass diese Frau nicht vor Scham in ihrem Badeschaum versank.  Vermutlich ging ihr Intellekt vor geraumer Zeit baden.

Es setzt mir zu, dass ich noch nicht erreichte, woran ich glaube. Das, was ich bei anderen Menschen sehe, ist mehr als dürftig. Doch ihre Ignoranz überzieht sie mit einem Schutz, den ich weder habe, noch für erstrebenswert halte. Mein Drang zum Perfektionismus lässt mich manchmal “vergessen”, wie außergewöhnlich schon jetzt meine Projekte sind.  Es muss also einen anderen Weg geben, eine schonungslose Aufrichtigkeit, die weder Angst vor Erfolgen noch vor Misserfolgen kennt, an die ich mich langsam herantaste, in diesem Blog und vermutlich auch in den zukünftigen.