Als ich meinen letzten Eintrag geschrieben hatte, hoffte ich eigentlich gleich darauf weiterschreiben zu können. Leider stoppte mich eine Erkältung. Jetzt geht es mir zwar wieder besser aber der Eintrag ist bereits zu weit in die Ferne gerutscht, als dass ich dort ansetzen könnte.
Wenigstens konnte ich einen Teil der Zeit nutzen, um weiter über mich und meine Projekte nachzudenken. Ich suchte nach Ähnlichkeiten, einem wiederkehrenden Muster. Dabei stellte ich fest, dass ich zwei meiner drei Projekte aus tiefen Liebeskummer heraus begann. Allen gemein ist, dass es stets Verzweiflung war, die mich antrieb. Früher glaubte ich, gewisse Schwächen des menschlichen Hirns ausmachen zu können, zum Beispiel, wenn ich Menschen sah, denen ich einst sehr viel zutraute, und bei denen, aus meiner Perspektive, heute kaum noch etwas liebenswertes zu bemerken ist. Heute denke ich, dass das, was ich sah, in Wirklichkeit ein äußerst ausgeklügelter Schutzmechanismus ist. Es ist eine Form der Anpassung, die ein besseres Befinden selbst in hässlichen Umfeldern erlaubt. Dieser Mechanismus hat unzählige Nebenwirkungen. Der Witz ist, dass sie von niemandem, bei dem der Schutzmechanismus aktiv ist, mehr bewusst erfasst werden können. Im Moment glaube ich, dass der Schutzmechanismus bei den meisten Menschen erstmalig ausgelöst wird, wenn sie mit überwältigender Perspektivlosigkeit konfrontiert werden. Warum das bei mir nicht oder nur eingeschränkt wirkte, ist mir bis heute ein Rätsel. – Vielleicht ist es ein Zusammenspiel unzähliger, kleiner Faktoren. Vielleicht sind es Momente der Schönheit, die ich erlebte, und mein Wille, die Erinnerungen an sie um keinen Preis der Welt aufzugeben.
Vielleicht habe ich den Eindruck, damals einen Vorgeschmack auf paradiesische Zustände bekommen zu haben. Kombiniert mit meiner Eigenart, genormtes Denken in Frage zu stellen, könnte es bedeuten, dass ich die Aussagen meiner Mitmenschen, Glück sei nie von Dauer, nicht akzeptierte.
Ich muss eingestehen, dass ich mir in dieser Rolle nicht schlecht gefalle. Während andere auf ein neues Auto sparen oder überlegen, wie sie aus ihren Beziehungen entkommen, für die sie selbst sorgten, bin ich damit beschäftigt, ein Paradies zu erbauen.
Doch welche Komponenten werden dazu benötigt? Ein Ort mit neuen Strukturen. – Sogar die Architektur müsste sich grob von allem bisherigen unterscheiden. Menschen mit neuem Bewusstsein. Geld als Aktivierungsenergie. Tatsächlich würden meine drei Projekte die genannten Komponenten abdecken. – Vorausgesetzt, sie würden auch funktionieren. Und genau das tun sie im Moment leider noch nicht.
Beyond-Rainbows soll in einem Buch enden, zu dem ich im Moment nicht fähig bin. Das Plateau soll letztendlich die paradiesischen Zustände etablieren, ist jedoch noch weit davon entfernt. Und EN, meine Internetfirma, soll mir das notwendige Geld verschaffen, um nach meinen Vorstellungen zu leben und die beiden anderen Projekte zum Erfolg zu führen. Letzteres arbeitet auch noch nicht, wie ich es mir wünsche. Es wird immer mehr zu meiner Überzeugung, dass ich den Schlüssel in mir herumdrehen muss. Erst danach werde ich den gewünschten Erfolg in meinen drei Projekten bekommen. Dieser Schlüssel ist Bewusstmachung. Zum Teil besteht letztere aus der Fähigkeit, den Wahnsinn, mit dem ich täglich konfrontiert bin, in Echtzeit zu erkennen, und nicht mehr zuzulassen.
Ich habe beim Verfassen dieses Blogs eine kleine Pause gemacht. Ich wollte etwas essen und schaltete für die Dauer kurz den Fernseher ein. Ich zappte in eine Sendung, die sich “FrauTV” schimpft. Eine Moderatorin verkündete aus ihrem Bad heraus stolz, dass sie sowohl eine Familie als auch einen Job habe, und dass ihre Badewanne der einzige Ort sei, an dem sie sich für 20 Minuten zurückziehen könne, wenn ihre Familie zu Hause sei. Ich finde es unerhört, dass diese Frau nicht vor Scham in ihrem Badeschaum versank. Vermutlich ging ihr Intellekt vor geraumer Zeit baden.
Es setzt mir zu, dass ich noch nicht erreichte, woran ich glaube. Das, was ich bei anderen Menschen sehe, ist mehr als dürftig. Doch ihre Ignoranz überzieht sie mit einem Schutz, den ich weder habe, noch für erstrebenswert halte. Mein Drang zum Perfektionismus lässt mich manchmal “vergessen”, wie außergewöhnlich schon jetzt meine Projekte sind. Es muss also einen anderen Weg geben, eine schonungslose Aufrichtigkeit, die weder Angst vor Erfolgen noch vor Misserfolgen kennt, an die ich mich langsam herantaste, in diesem Blog und vermutlich auch in den zukünftigen.
Gefällt mir:
Gefällt mir Lade...