Der Hierophant – Auszüge (Teil II)

>>Du hast Deine Konstante doch schon gefunden.<< Wirft mir Wilhelm mit bestimmter Miene entgegen.

>>Deine Konstante trägst Du schon in Dir.<<

Er geht ans Fenster, seine Hände in die Hosentaschen vergraben und sieht hinaus, als würde er nach etwas Ausschau halten. Etwas, von dem er nicht genau weiß, was es ist, von dem er nur felsenfest überzeugt ist, dass es da ist und was ihn immer wieder gerne am Fenster hinausschauen lässt. Seine Haltung lässt mich vermuten, dass sein Blick weit über den Horizont geht, hin zu einem unbestimmten Punkt in der Ferne. Fast schon scheint er mir ein bisschen wehleidig oder sehnsüchtig in diesem Augenblick, so als denke er an etwas Vergangenes. An etwas, das er mal verloren hat, oder vielleicht erst nie gefunden. Es ist, als könnte ich seine Gedanken lesen , als stünde ich mit ihm da an seinem Lieblingsfenster mit dem Ausblick ins Unendliche dieser Welt, das sich doch nur immer im Endlichen jedesmal offenbart. Ich weiß es. Was er mir sagen will. Ich weiß es selber. Aber ich habe kein Wort dafür in diesem Moment. Ich möchte auch keines haben. Erspüren möcht´ ich es, nicht benennen, denn was können Worte schon ausdrücken? Viel lieber möchte ich, dass mein Bauch es verschlingt, es verzehrt, dass es sich dann in meinem ganzen Körper ausbreitet und unter meiner Haut brennt. Ja, ich will daran verbrennen, damit ich es ganz begreifen kann. Worte spürt man nicht, wenn sie nicht wie Feuer sind. Ich will kein Wort, dass sich in meinen Verstand einnistet und dort sein Unwesen treibt. Das sich dort vergräbt und sich nach Lust und Laune bis zur Unkenntlichkeit immer wieder selber umbenennt. Mit neuen Namen erfindet und sich davon erhofft, sich all meinem guten Vorsätzen zu entziehen. Ist das nicht eigentlich der Grund, warum ich die meisten Dinge nicht beim Namen nennen möchte? >>Unmöglichkeit.<< dringt vom nun in blutroter Abendsonne getränktem Fenster durch den Raum und durchschneidet mir den roten Faden der exquisiten, bittersüssen Selbsterkenntnis mit übertriebener Direktheit. Unmöglichkeit dringt in meinen Bauch und dann in alle Stellen meines Körpers, die brennen können. Wilhelm steht immer noch vor dem Fenster, zu sehen ist nur sein Umriss, der sich wie im Zeitraffer immer schwärzer färbt, je härter das Feuerrot der Sonne sich durchs Fenster in meine Augen brennt. Ich bin geblendet. Ich brenne nicht nur, ich sehe mir auch noch selber dabei zu. Meine Augen färben sich rot und ergießen sich in einem Versuch das Feuer zu löschen.

>>Unmöglichkeit. Das ist Deine Konstante<<

(Entschuldigung für die schlechte Formatierung)